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Ausstellung Südtiroler Volkskunst : Katalog
Entstehung
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Vorwort

Die Südtiroler Volkskunst steht vor dem historisch- volks-kundlich geschulten Betrachter als eine ebenso markante wie viel-schichtige Erscheinung da. Das museal gesammelte Gut, in rundeinem Jahrhundert zusammengetragen, vermittelt den Eindruckder statisch beharrenden Güter dieser altbäuerlich- altbürgerlichenWelt ebenso wie den der dynamischen Kräfte, die in diesem Be-reich der Berg- und Paßstraßen herrschten. Dieses Widerspielvolkskünstlerischer Kräfte zwischen dem 15. und dem 19. Jahr-hundert, der überschaubaren Periode aller dieser Erscheinungen,ist in dieser Ausstellung und in dieser Form in Wien zum erstenMal zur Geltung gebracht.

Trotz einer langen Forschungsgeschichte hat es das politisch-historische Schicksal Südtirols mit sich gebracht, daß die Fülleseiner Volkskultur nicht im gleichen Maß anschaulich in Veröffent-lichungen dargetan wurde, wie dies für andere Landschaften ge-schehen ist und immer weiter und vertiefter geschehen wird. DieForschung hat nach den wenigen Ansätzen im österreichischenBiedermeier erst nach dem Verlust Venetiens und der Lombardei,nach der Grenzziehung von 1866, in bewußterem Ausmaß ein-gesetzt. Die Volkskunde der Periode der jüngeren Grimm-Schüler, in Tirol durch Ignaz V. Zingerle vertreten, ist damals aufden Plan getreten, und durch die von Karl Freiherrn von Czoernigvertretene österreichische Ethnographie sind die Probleme dersprachvolklichen Schichtung des Landes bewußt geworden. DieAnteilnahme an der Sprache der Ladiner in Tirol, etwa durchJohann Alton verkörpert, erfolgte zeitgleich mit dem auch vonreichsdeutscher Seite bekundetem Interesse an der Holzschnitzereiin Gröden. Die Sammler der letzten Jahrzehnte des 19. Jahr-hunderts, Fridolin Plant etwa und Alois Menghin, konnten ihreAufmerksamkeit schon auf ganz bestimmte Komplexe richten, sowenig die Volkskunst noch wissenschaftlich definiert wurde. Aberdie Gründung des Museums für deutsche Volkskunde in Berlinwirkte stimulierend. Die Aufmerksamkeit reichsdeutscher Sammlerund Sammlungen hat noch jahrzehntelang angehalten. Von öster-reichischer Seite her brachte das Wirken Johann Deiningers diebedeutsame Wendung zur Bildveröffentlichung. Was in den Ge-

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