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mährischen Grenze steigert das Auftreten vonRot und vor allem von Gelb, für welche Farbedie Slowaken besondere Vorliebe haben. In derungarischen Kontaktzone dagegen treten flächen-füllende Wollstickereien in Rot auf, die Über-nahmen von den Ungarn bedeuten.
39. Bojkischer Leinendruck. Der ukrainischeDichter Dr. Ivan Franko unternahm im Jahre 1904eine regelrechte Expedition in das Land derBojken, die als zweitwestlichster Bergstamm derUkrainer den Nordhang der Karpaдen in derLandschaft Bieszczady im Südostwinkel desheutigen Polens bis zur Stolinka bewohnten,wo sie an die Huzulen grenzten. Diese Reisebrachte für die Sammlung osteuropäischer Volks-kulturen einen sehr wertvollen Zuwachs, dernach dem zweiten Weltkrieg um so wertvollerwurde, als die Bojken in alle Winde zerstreutwurden und ihre Volkskulturgüter jetzt nur mehrin einer geschlossenen Sammlung im Öster-reichischen Museum für Volkskunde vertretensind. So brachte Franko auch eine Malówanka,einen weiblichen Unterrock für den Alltag, deraus Rohleinen gefertigt und über und über miteinem schwarzen Leinwanddruckmuster verziertist, mit. Um 1904 besorgten diesen Leinwand-druck von Haus zu Haus ziehende Juden, diesogenannten Malari oder Dymkari, die um wenigGeld diese Muster mittels ihrer ca. 1 m langenDruckmodeln in schwarzer Farbe auf diebereitgestellte Leinwand aufdruckten.
Um eine Vorstellung von der Vielfalt an ver-wendeten Mustern zu geben, werden hier west-ukrainische, wahrscheinlich bojkische Probenvon Leinwanddrucken in schwarzer Farbe ausfeinem Kienruß und Öl gezeigt.
40. Russische Textilien. Als eine kleine Kost-probe russischer Volkskunst wird nur ein mitverschiedenen, meist tierfiguralen Darstellungen- darunter auch mit einem russischen Doppel-adler rot durchwirktes Leinentuch gezeigt.41. Rumänische Zierhandtücher. Zierhandtücherhaben zwar die Form von Handtüchern, ihreFunktion aber ist die Zier der Stube. Meistwurden sie um die an die Wand gehängtenZierteller gelegt und bildeten den Stolz derHausfrau. Auf komplizierte und daher kostbarefeste Weben werden an den beiden Endendurch mannigfaltige Wirk-, Stick- und Appli-kationstechniken meist geometrisierte bunteMuster gezaubert, die sich an rumänischenHemden wiederfinden. Diese Sitte der Stubenzierfindet sich auch bei den Nachbarvölkern, ist aberfrüher bei den Rumänen und in der ehemaligenBukowina ganz besonders ausgeprägt gewesen.42. Stickereien der Siebenbürger Sachsen. Demschweren Charakter der Siebenbürger Sachsenentspricht auch die kräftige Rotstickerei mitgenau abgesteckter Aussage. Während auf demBettüberwurf vom Jahre 1908 aus Treppen beiBistritz der Blumendekor für den Hausgebrauchim Flachstich als Rand- und Rosettenverzierungund durch rote und rotblaue Webbänder auf-gelöst erscheint, sind die beiden Altartuchbesätze
aus dem gleichen Gebiet in strengen Formenmit rotem Kreuzstich ausgeziert: das eine mitdem Osterlamm und das andere mit einemPferdchen zwischen Lebensbäumen, zusätzlichbesetzt mit einem Kirchenspitze genanntenKlöppelstreifen.
43. Bulgarische Textilien. Eine Reihe von über3 m langen bunten Gürteln soll die bulgarischeBandwebetechnik auf dem Brettchenwebstuhl,der noch im Mittelalter über ganz Europaverbreitet war, illustrieren. Die Schauseite wurdebei diesen Gürteln noch zusätzlich in Wolleund z. T. in Seide überstickt. Das Geometrischeist in der Webtechnik begründet. Keineswegsim Technischen, wohl aber in der volkstümlichenTradition ist die im Stielstich und in Holbein-technik streng geometrisch ausgeführte und oftvon typisch floral aufgelockerten, im Rahmeneiner geometrischen Anordnung verbleibenden,überwucherten Zier der Ärmel, in ernstenFarben, meist dunkelrot und dunkelblau gehalten,verwurzelt. Die Belege stammen aus den Dörfernum Sofia und aus Ohrid in Mazedonien, die einaugenfälliges Ganzes bilden. Als Gegenstückwird eine griechische Ärmelstickerei gezeigt, diein ihrer Gestaltung vollkommen andere Wegegeht und auf große Buntheit abzielt.
44. Türkische Stickereien. Wie im Westbereichdie Klosterarbeit mit Recht als besonders feineNadelarbeit gilt, so ist auch im ehemals türkischenBereich der Ausdruck Haremsarbeit zu verstehen,den wir aber hier durch die Bezeichnungtürkische Stickerei ersetzen wollen. Diese vorallem von den türkischen und mohammedani-schen Glossar ::: zum Glossareintrag schen Frauen der oberen Gesellschaftsschichtenverfertigten Stickereien stellen als feinste Nadel-arbeit auf lockerem Gewebe wahre Schau- undPrunkstücke dar. Selbstverständlich galt derStolz der Frauen auch den selbstgemachtentüllartigen Baumwollgeweben, oft mit streifigemglänzendem Seidendurchschuß, der vielfältigvariiert werden konnte. Landschaftliche Typensind bei diesen Stickereien im allgemeinen nichtzu unterscheiden, finden wir doch solche Zier-tücher im ganzen Bereich des ehemaligentürkischen Reiches in einer augenfälligen Gleich-artigkeit verfeinerter städtischer Gestaltungs-kraft. Doch immer wieder sind Einflüsse boden-ständiger Volkskunst auch hier zu verspüren.45. Albanische Schmucktücher. Wie wir beiden albanischen Polstern auf südosteuropäischeGemeinsamkeiten hinweisen, müssen wir dasauch bei den auf lockerem Bezagewebe ge-wirkten oder gestickten albanischen Schmuck-tüchern tun. Allerdings tritt hier noch einegewisse städtische Einflußnote hinzu, die von dentürkischen Seidenstickereien ausgegangen ist.46. Albanische Polster. Die ausgestellten Polsteraus Nordalbanien sind typische Zeugen Alt-europas bis in die heutige Zeit. Nur gewebte undgewebte und gewirkte Baumwollgewebe weisenhier auf vornehmlich rotem Grund all dieMusterung auf, die wir auf kräftig gefärbtenUnterlagen auch im rumänischen Bereich wieder-