11
kegelartiger Verbreiterung, die über die ganzeBalkanhalbinsel zu belegen sind.
21. Ungarische Peitschen. Unter den kurz-stieligen und mit vielfältig geflochtener undgegliederter langer Lederschnur versehenenPeitschen der Hirten im ungarischen Raum sinddie mit Zinn- respektive Bleieinlagen verziertenStücke aus dem 18. und beginnenden 19. Jahr-hundert bemerkenswert. Zwei einfacher gehaltenePeitschen von Schafhirten der Palozen stehenhier einer solchen eines siebenbürgischenOchsenhirten mit reicher deutscher Beschriftung( Anrufung Jesu um Abwendung eines jähenTodes) aus dem Jahre 1747 gegenüber.22. Ungarische Tschutren. Die Tschutra, dieals Begleiter des Reisenden und Pilgers schonauf gotischen Bildern zu belegen ist und alsFeldflasche auch beim Militär lange Zeit Ver-wendung fand, hat ihre volkstümliche Aus-gestaltung vornehmlich bei den Ungarn undihren Nachbarvölkern erfahren, die sie alsbeliebte Schnapsflasche in der Form starkvariierten und mit oft bunten Verzierungenbemalten. Sie sind auf der Drehbank hergestelltund mit Harz ausgepicht. Die ausgestelltenStücke sind aus Ungarn, nur die mit Riemenversehene Tschutra stammt aus Dolina in Bosnien.23. Albanische Kupferkanne. Als ein Unikummuß die aus Kupfer getriebene albanischeKupferkanne insofern angesprochen werden,als das auf der Schulter befindliche Relief mitMännergestalten mit paarig angeordneten Tier-gestalten Rätsel aufgibt. Vielleicht haben wiraber gerade hier und in der etagenhaftenGliederung des Halses eine Parallele zu dereigenartigen Auszier der bei den Musik-instrumenten ausgestellten albanischen Gusle.Eine Schätzung des Alters stößt ebenfalls aufSchwierigkeiten, sie dürfte aber noch dem18. Jahrhundert zuzurechnen sein.
24. Prunk- und Ehrenstühle aus der adriatischenZone. a) Geschnitzter dreibeiniger Stuhl ausKievo bei Verlika in Norddalmatien mit halbkreis-förmiger Rückenlehne mit Durchbruchsverzierungund drei schraubenförmig geschnitzten Füßen.b) Geschnitzter dreibeiniger Ehrenstuhl aus derGegend von Rijeka in Montenegro mit niedererSitzplatte, drei kantig geschnitzten Füßen undhalbrunder Rückenlehne mit schwalbenschwanz-verzierten Ständern. c) Reich verzierter, massivervierbeiniger Ehrenstuhl aus Merdita in Nord-albanien, mit Durchbruchsarbeiten, mächtigenArmlehnen und kugeligen hinteren Pfosten-abschlüssen.
Diese drei Stühle gehören dem Typus nachzusammen, obwohl der norddalmatinische Stuhlbereits für den Gebrauch nach westlichen Sitz-gewohnheiten hergestellt wurde. Grundsätzlichwaren in den Gebieten mit strenger Stammes-und Sippenverfassung Lehnstühle nur demÄltesten oder dem zu ehrenden Gast vorbehalten.Franz Nopcsa sieht in diesen Stühlen eineostmittelmeerische Form, die über das Alter derdort jetzt wohnenden Völker hinausgeht.
25. Hausgerät aus Albanien und Dalmatien. Umdie Andersartigkeit des balkanischen Geräts nuran wenigen Stücken vor Augen zu führen,werden hier folgende Gegenstände gezeigt:Ein Mehlsieb mit einem ornamental durch-brochenen Boden aus Pergament( Eselshaut)aus Skutari und ein aus Stroh geflochtenesMehlsieb aus Grablje auf Hvar; zwei albanischeWürfelkörbchen mit Flecht- und Spanwändenund Tragbügeln aus Prizren und Skutari undeine dalmatinische Backschaufel mit modelartigausgeschnitzter Auflagseite mit S- Ornament.26. Adriatische und dinarische Spinnrocken.Diese Spinnrocken- Landschaft zeichnet sichdurch einen immensen Formenreichtum aus, derleider noch nicht zu einer monographischenBearbeitung geführt hat. Der Grund dafür ist,daß Unterschiede nicht nur in der geographischenLage, sondern auch im Religionsbekenntnis derBenützerin begründet sind: So sind in der Gegendvon Bos.- Gradiška die Spinnrocken der ortho-doxen Bewohner blattförmig mit übereinanderangeordneten Zirkelschlagrosetten, während dieSpinnrocken der katholischen Bewohner mehroder minder kegelförmige Aufsätze tragen.Bosnien hat Formeneinflüsse von allen Nachbar-gebieten aufzuweisen und als charakteristischerHaupttyp besitzt es die angeführte orthodoxeForm. In Dalmatien dagegen treten auf fünf-zinkige Gabeln zurückzuführende Blattformenmit Durchbruchsarbeiten auf, die nach demSüden zu im Umriẞ anthropomorphe Gestaltenannehmen, um in Albanien ganz in die Rechteck-form mit Schwalbenschwanzausnehmungenüberzugehen.
27. Hirtenbecher aus Bosnien und Dalmatien.Die aus dem Vollen aus Hartholz( Oliven- undEichenholz) geschnitzten Hirtenbecher halb-kugeliger oder kahnförmiger Gestalt mit waag-rechtem Ösengriff oder blattförmigem senk-rechtem Griffansatz mit Durchbruchsverzierungsind nur der Technik nach uralt, der Form nachaber von städtischen Gefäßformen stark be-einflußt. Lediglich die Ornamentik weist dasganze Register der volkstümlichen Ritz-, Kerb-und Ausgründungsmusterung auf. Zum Gegen-satz hinzu ein Hirtenbecher aus Südungarn, dernach Arthur Haberlandt mit der mitteleuropä-ischen Pfeifenschneiderei zusammenhängt.28. Spinnrocken der Nordadrialandschaft. DieSpinnrocken des ehemaligen Küstenlandes undIstriens setzen sich von den adriatischen unddinarischen Formen Südosteuropas merklich abund stellen schon unter der Einwirkung dervenetianischen Formen. Augenfällig sind die mitKugeln aus Rohr und Schepperinhalt versehenenStäbe von der Insel Cres( Cherso) und die miteingefügten gegenständigen kreisrunden Bogenmit Kerbschnitt aus der Gegend von Kanfanarauf Istrien.
29. Bootswimpel aus dem Kvarner( Nordadria).Besonders bei den Fischern der Insel Cres( Cherso) haben sich bis zum ersten Weltkriegeigenartige Bootswimpel, die sogenannten