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Osteuropäische Volkskunst : Sonderausstellung der Sammlung osteuropäischer Volkskulturen des Österreichischen Museums für Volkskunde ; 4. April bis 10. Mai 1970
Entstehung
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z. B. das Gefäß mit ringversteifter Wandung undzwei nebeneinander stehenden Henkeln.

9. Keramik der Siebenbürger Sachsen. ImBereich der Siebenbürger Sachsen haben sichmehrere interessante Keramiktypen ausgebildet,die ihre Eigenwilligkeit erst durch Assimilierungfremder Einflüsse erreicht haben. Schon imGefolge der Vertreibung der Huterischen Brüderaus Mähren im Jahre 1622 kam eine HabanerGruppe nach Siebenbürgen, wo sie in Alwinzein Haushaben gründete und hier durch ein-einhalb Jahrhunderte Fayencewaren von be-sonderem Reiz herstellte. Hier liegt wohl dieWurzel für die Vorliebe der Siebenbürger fürdie offenbar beabsichtigten Fayence- Imitationen:Die gekratzten Kobaltkrüge und-teller dersogenannten Keisder Keramik aus dem 18. undfrühen 19. Jahrhundert, die wahrscheinlich vonden Töpfern des Egerer Gebietes in Böhmenübernommen wurde, und die dem gleichenZeitraum zugeordnete bleiglasierte Keramik mitweißer Engobe( Schlicker) und kräftiger Pinsel-Bemalung( Draaser Ware) oder zierlicher Mal-hörnchen- Bemalung( Burzenländer Ware). Be-sonders die Draaser und Burzenländer Keramiksind bodenständige Entwicklungen und ent-sprechen in ihrer kräftigen Bemalung demernsten bäuerlichen Charakter der SiebenbürgerSachsen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhundertskam eine neue Note in die bleiglasierte KeramikSiebenbürgens: Durch die steigende Beliebtheitder importierten Fayencen- slowakische Werk-stätten, z. B. Sobotišt, fertigten für diesen Zweckdie nach dem Umschlagplatz benannte RaaberWare ging man zur Nachbildung derselbenin Hafnertechnik über, die durch ihre Buntheit,aber auch Unbeholfenheit charakterisiert werdenkann. Wie sehr aber die bodenständige Ge-staltungskraft auch ohne fremde Einflüsse aus-kommen konnte, beweist der mächtige Krug,eine sogenannte Herzkanne, mit appliziertemDekor aus dem Jahre 1796, der in einer Kirch-berger Werkstätte entstanden ist.

10. Ungarische Keramik. Die ungarische Keramikzeichnet sich durch besonderen Formenreichtum- außer Plutzern und Eulen kommen nochfigural gestaltete Gefäße, Tschutren und Flaschen-formen zum allgemeinen Typenschatz hinzu-und bei der bemalten Hafnerkeramik durchFarbenfreudigkeit mit starker Kontrastierung aus.Die unbemalte Hafnerware ist durch einengrünglasierten doppelhenkeligen Topf mit appli-zierten Schneideremblemen aus Nagocs ausdem Jahre 1828 und durch einen bauchigengelbglasierten Plutzer mit rotbrauner Fließ-verzierung vertreten, während die bemalte durcheinen mit floralen Elementen verzierten Telleraus Muragy und eine Eule mit der Jahreszahl1835 sowie einen Krug aus dem Töpferzentrumvon Mezőkövesd- helle Zeichnung auf dunklerEngobe- und zwei Gefäße aus der RaaberGegend dunkle Zeichnung auf weißer

Engobe- belegt ist.11. ,, Türkische Keramik". Im ganzen, z. T.

mohammedanischen Glossar ::: zum Glossareintrag mohammedanischen Bereich von Bulgarien bisBosnien sind noch im ausgehenden 19. Jahr-hundert bizarre Töpferwaren erzeugt worden,die auf den starken Einfluß der kleinasiatischenTöpfer während der türkischen Herrschaft hin-weisen. Deshalb verwendet man dafür auchgerne den Ausdruck Dardanellen- Keramik, ob-wohl die Hersteller weder am Bosporus saßen,noch Türken waren. Eines der Charakteristikasind die mannigfach gestalteten langhalsigenKrüge mit geflochtenen Henkeln und z. T. mitmächtigen Ausgüssen, die zumeist Applikations-verzierungen tragen. Eine besondere Form sinddie unseren Scherzkrügen entsprechenden, meistgelb- oder grünglasierten Gefäße mit Durch-bruchsarbeiten und aufgesetzten Vogelfiguren:in Bulgarien wurden sie durchwegs als Hochzeits-krüge verwendet.

12. Bosnische Keramik. Eine ganz typischeKeramik hat Bosnien ausgebildet, die in derAusstellung mit Waren aus der Werkstatt vonVišnjica an der Save belegt wird: unglasierteIrdenware mit brauner Malhörnchen- Bemalungauf dem rötlichen Scherben. Die Verzierungenthält alle volkstümlichen Linienelemente, diez. T. auf Alteuropa zurückgeführt werden können,z. T. aber, wie z. B. die Bogenpyramiden,Entlehnungen aus dem westlichen Bereich sind.Formenmäßig ergibt sich ein ähnliches Bild:neben mittelalterlichen Formen, wie z. B. derinnen gehenkelte Teller, ist hier der türkischeEinfluß besonders am lang ausgezogenen Halsund am hohen Fuß zu erkennen. Hinter dieserKeramik verbirgt sich auch eine altartige Her-stellung auf der niederen und sich langsamdrehenden Kreuzscheibe, die in Mitteleuropaschon im Hochmittelalter durch die schnell-drehende Blockscheibe verdrängt worden ist.13. Adriatische Keramik. Als adriatische Keramikkönnen wir all die Formen zusammenfassen, dieim ganzenadriatischen Küstenbereich derBalkanhalbinsel aufscheinen und ob irden,blei- oder zinnglasiert durch die Gegen-ständigkeit der Henkelpaare oder eine Verviel-fachung derselben charakterisiert werden können.Hier überwiegt also die Form über das meistbescheidene Ornament, die Farbe wird eventuellzur Unterstreichung der Form eingesetzt. Eineeigene Gruppe bilden die Istrianer Kugel-flaschen, die mit Henkelschlaufen zum Durch-ziehen des Tragriemens oder-strickes versehensind und die bescheidene, meist doppelhenkeligeFayenceware, die wahrscheinlich Istrianer Er-zeugnisse darstellen.

14. Istrianische Wassertonne. Diese riesige unddickwandige Wassertonne aus dem Gebiet desUčka ist innen mit einer Chromoxyd- Glasurüberzogen, die über den wulstigen Rand auf dieAußenseite übergreift. Obwohl istrianischesErzeugnis, ist sie der Form nach dem mittel-meerischen Bereich zuzurechnen.

15. Slowenische Keramik. Mit der slowenischenKeramik schließen wir wieder an Mitteleuropaan, obwohl wir es hier zum Teil mit Erzeugnissen

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