letzten zusammenhängenden Darstellungen desOstraumes aus den Schausammlungen desÖsterreichischen Museums für Volkskunde einigeSonderausstellungen die Aufmerksamkeit derBesucher auf das Vorhandensein der Sammlungosteuropäischer Volkskulturen lenken: Die Aus-stellung ,, Das Osterei in der europäischen Volks-kunst"( 1954) fand bei den Wiener Schulenfreudige Aufnahme, die ,, Habaner- Keramik"( 1961-1962) erfreute sich dagegen lebhaftenInteresses weiter Sammlerkreise; die ,, Volks-kunst der Ostkirche"( 1960-1961) konnte nichtnur im eigenen Haus, sondern auch in Graz undKlagenfurt gezeigt werden; dagegen wurde inSalzburg ,, Alte Volkskunst aus Dalmatien"( 1961)und in Graz die Ausstellung ,, Die Huzulen"( 1966) gezeigt.
Parallel zu diesen Ausstellungen bemühte sichaber das Museum im obigen Sinne der Radikal-lösung unablässig um ein eigenes Gebäude zurEinrichtung eines Ostmuseums aus eigenenBeständen in einer dem Thema entsprechendenLage. Und wenn nicht alle Zeichen trügen, soscheint sich jetzt doch ein Erfolg dieser Be-mühungen anzubahnen.
Auf
Denn jetzt hat das Bundesministerium fürUnterricht die Initiative übernommen.Anregung und mit Subventionierung diesesMinisteriums ist 1969 die Sonderausstellungsreihe,, Aus der Volkskultur der Ost- und Südostgebieteder ehemaligen Donaumonarchie" angelaufenund damit die Sammlung osteuropäischer Volks-kulturen in die Planung des Bundesministeriumsfür Unterricht eingebunden. Schon die erstenzwei Ausstellungen ,, Volksmusikinstrumente derBalkanländer( 29. Juni bis 23. November 1969)und ,, Alte Weihnachtskrippen aus dem Sudeten-und Beskidenraum"( 13. Dezember 1969 bis14. Februar 1970) beweisen, daß die Sammlungosteuropäischer Volkskulturen, die schon längstAnziehungspunkt für Forscher aus Ost undWest geworden ist, auf dem besten Wege ist,sein Publikum und hoffentlich auch sein eigenesMuseumsgebäude zu bekommen.
Aus dem Vorhergehenden geht klar hervor, daßes einfach unmöglich wäre, all die Kostbarkeitender Sammlung osteuropäischer Volkskulturen ineinem noch so großen Rahmen auf einmal zuzeigen. Das kann auch nicht der Zweck einerAusstellung sein. Deshalb wird hier ein sorgfältigausgewählter und einigermaßen repräsentativerQuerschnitt durch die Volkskunst Osteuropasgeboten, der auf die mannigfaltigen Schätzeosteuropäischer Volkskunst, die noch im Depotdes ,, unsichtbaren Museums" in der Laudon-gasse ruhen und auf ihre Auferstehung hoffen,hinweist.
Doch zuvor einige allgemeine Worte zur Volks-kunst im allgemeinen und zur Volkskunst Ost-europas im besonderen.
Die Volkskunst spielt im Leben der Völker eineganz besondere Rolle und steht selbstverständ-lich im direkten Verhältnis zum Kunstschaffeneines Volkes. Ohne auf Definitionen einzugehen,
seien hier nur einige Ideen des Altmeisters derÖsterreichischen Volkskunde, Univ.- Prof. DoktorMichael Haberlandt, angeführt. Nach Haberlandtist die durch eine gemeinschaftsgebundeneTradition bedingte und gestaltete Volkskunstmit dem Dialekt einer Sprache am ehesten zuvergleichen, und ähnlich dem Verhältnis derMundart zur entsprechenden Schriftsprache istauch die Beziehung der Volkskunst zu Hoch-kunst und Kunstgewerbe eines Volkes gestaltet.Genau wie jene ist die Volkskunst nicht nurzuweilen die Quelle einer Weiterentwicklung,sondern vor allem volkstümlich stilisierte Fort-entwicklung, abgesunkener Abklatsch mit ge-treuer Übernahme aller Techniken und Werk-zeuge, aber auch Ausklang mit allen Kennzeichendes Verfalles und Verderbs. Und so wie dieMundart hat auch die Volkskunst ihre guten undschlechten Seiten. Die Vorzüge sind nachMichael Haberlandt reicherer Quellsaft, kräftigereTinten, urwüchsige Schlagkraft, bis zur Derbheitund Roheit gesteigert, die Mängel dagegenGebundenheit an die Scholle, enger Horizont,Ideenarmut, beschränktes Lexikon.
Schon diese Ausführungen Haberlandts lassenerkennen, daß wir genau so wenig wie bei derMundart auch die Volkskunst nicht einemgesamten Volksganzen, sondern immer nurVolksteilen, Stämmen, ja landschaftlich grup-pierten oder standesmäßig bedingten Lebens-kreisen usw. zuordnen müssen und dies allesnicht bei einem, sondern bei der Mannigfaltig-keit an Völkern eines halben Kontinents, demdie alte Vielvölkermonarchie verbunden war.Wollen wir nur die hochsprachlich geordnetenVölker des Ost- und Südostraumes Europasanführen, die in der Ausstellung zum Tragenkommen, so müssen wir eine ungefähre geo-graphische Gliederung, die der räumlichenGliederung des Ausstellungsraumes ähnelt, ein-halten: Deutsche, Tschechen und Slowaken,Polen, Ukrainer, Rumänen, Ungarn, Bulgaren,Türken, Griechen, Albaner und Jugoslawen.Selbstverständlich müßten nun die Deutschenmit all ihren Volksgruppen vom Egerland bis insBurzenland, die Tschechen von den Choden bisin die mährische Walachei, die Slowaken vonden mährischen Slowaken bis an die polnisch-ukrainischen Kontaktzonen, die Polen mit Ein-schluß der transhumanten Gruppe der Goralen,die Ukrainer von den Lemken über die Bojkenund Huzulen bis zu den Ukrainern der Niederung,die Rumänen sowohl mit ihren seẞhaftenStämmen als auch mit den transhumantenAromunen, die Ungarn oder Magyaren von denPalozen im Norden des Landes über die Matyosin der Gegend von Mezökövesd bis zu denverwandten Szeklern in Siebenbürgen, dieBulgaren von den Schopen im Westen bis zualtartigen Stammesresten am Nordabhang desBalkangebirges, die Griechen mit ihrer reicheninsularen Spezifierung, die Albaner sogar mitden nördlichen Gegen und den südlichenTosken mit selbständigen Schriftsprachen und
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