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Osteuropäische Volkskunst : Sonderausstellung der Sammlung osteuropäischer Volkskulturen des Österreichischen Museums für Volkskunde ; 4. April bis 10. Mai 1970
Entstehung
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Zur Einführung

Mit der Ausstellung ,, Osteuropäische Volks-kunst" tritt die Sammlung osteuropäischer Volks-kulturen des Österreichischen Museums fürVolkskunde in Wien zum ersten Mal selbständigvor die Öffentlichkeit und will damit die Auf-merksamkeit auf die wertvollen Bestände einesbis heute ,, unsichtbaren Museums" lenken undzugleich das kulturell verantwortungsbewußtePublikum auf die kommende Entwicklung vor-bereiten.

Das Österreichische Museum für Volkskunde isteine Gründung des Vereines für Volkskunde,den Michael Haberlandt, Wilhelm Hein undMoritz Hörnes im Jahre 1894 ins Leben gerufenhaben. Nach§ 2 der Statuten wurde der Vereinzum Zwecke der ,, Erforschung aller Äußerungendes Volkslebens in den im Reichsrathe vertretenenKönigreichen und Ländern" geschaffen. Mitdiesen Worten allein wird schon das riesigeanfängliche Sammelgebiet im gesamten öster-reichischen Bereich der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie umrissen, ein Gebiet,das sich im Laufe der wachsenden Aufgabendes Museums bald auf ganz Europa ausdehnensollte. Den Kernpunkt der Sammlungen aberbildet nach wie vor die cisleithanische Hälfteder alten Doppelmonarchie, und dies deshalb,weil die ehemalige ungarische Reichshälfte dasSammelgebiet des schon bestehenden Ethno-graphischen Museums in Budapest war. Durchdiese freiwillige Selbstbeschränkung im Sammelnim Sinne eines falsch verstandenen Fair playBudapest gegenüber sind zwar mannigfacheempfindliche Lücken in den Sammlungen ent-standen, die in der Folge nur notdürftig und insehr bescheidenem Ausmaß durch hochherzigeWidmungen geschlossen werden konnten. Ander-seits aber wurde durch die systematische Aus-weitung der musealen Sammeltätigkeit überBosnien- Herzegowina und Albanien bis tief inden serbischen und mazedonischen Raum hineinund sogar darüber hinaus eine ungeahnteBereicherung der Sammlung an südosteuropä-ischen Objekten erreicht.

So entstanden im Laufe der Jahre als besondersfruchtbar erwiesen sich die ersten drei Jahrzehntevon 1895 an bis zum ersten Weltkrieg- eineReihe von ganz wertvollen Sammlungsgruppen,die jetzt in der Sammlung osteuropäischer Volks-kulturen zusammengefaßt sind und zum Ruhmedes Museums wesentlich beitragen. Daher sei eshier erlaubt, wenigstens einen groben Überblicküber den Bestand der Sammlung osteuropäischerVolkskulturen zu geben.

Aus dem böhmisch- mährischen Raum besitzenwir eine selten komplette Sammlung dergesamten- also sowohl der tschechischenwie auch der deutschen- Volkskunst, wobei wirbesonders auf die außerordentlich reichenSammlungen an Textilien und Keramiken ver-

weisen dürfen. Die Mitarbeiter des Museums indiesem Raum anzuführen, hieße eine Listesämtlicher tschechischen und deutschen Volks-kundler und Museumsleute dieses Gebietesanfertigen, denn von Ljubor Niederle und JosefAlexander von Helfert über den KroatensammlerKroboth bis zum Fürsten Johann von und zuLiechtenstein, der das Museum auch durchgroße Geldzuwendungen und Druckunter-stützungen sehr förderte, waren hier allePersönlichkeiten dieser Sparte am Zustande-kommen der Sammlung beteiligt. Besondersaber zeichnete sich der zuletzt Genannte durchdie Widmung der schlesischen Sammlung, dieder Ökonom Alois Benjamin Füllbier in Jablunkauzusammengebracht hatte, aus.

Dagegen tritt der anschließende westgalizischeRaum, der heute zu Polen gehört, etwas zurück.Hervorzuheben wäre immerhin eine kleineGoralen- Sammlung, eine interessante Kollektionvon Wieliczka- Steinsalz- Schnitzereien des Tar-nower Professors Ludwig Mlynek und einigeTiermasken aus dem Krakauer Raum.Doch schon im Gebiet der Bojken um Lutowiska,das durch eine eigene Bojken- Expedition desukrainischen Schriftstellers Dr. Ivan Franko imJahre 1904 sammlerisch erfaßt werden konnte,beginnt der Sammeleifer wieder zuzunehmen,um den ganzen ostgalizischen und bukowini-schen Raum zu erschließen. Namen wie DemeterDan, Lukyn Jakibiuk, Auguste Kochanowska,Michal Lepkaluk, Wladimir Szuchiewicz, derVerfasser der berühmten volkskundlichen Mono-graphie der Huzulen, und Pfarrer Titus Wojna-rowskij, der als Reichsratsabgeordneter dieBelange seines Volkes in Wien vertreten konnte,scheinen hier mit wertvollen und oft nachHunderten von Objekten zählenden Kollektionenauf. Wie schon aus den Namen der Sammlerersichtlich ist, galt das Hauptaugenmerk derSammeltätigkeit den Huzulen, und so ist imSchoße dieses Museums eine der wertvollstenSammlungen zur Volkskunst der Huzulen ent-standen.

Für das rumänische Gebiet muß festgestelltwerden, daß sich im Jahre 1965 auch dierumänische Regierung mit einer Widmung von172 Objekten in die Reihe der großen Fördererstellte.

Südlich der ungarischen Reichshälfte, von derwir in der Hauptsache nur eine kleine Kollektionaus der heutigen Slowakei und eine kleine, aberwertvolle siebenbürgische Sammlung besitzen,sind es zuerst die ehemalige Untersteiermark,Krain und das Küstenland, die sammlerischverhältnismäßig gut erfaßt worden sind. Dannfolgt aber wieder einer der Glanzpunkte derSammlung osteuropäischer Volkskulturen, näm-lich die kostbare Sammlung aus Dalmatien.Sowohl Stephanie Rubido- Zichy als auch NatalieBruck- Auffenberg, die Verfasserin des umfang-reichen Werkes über Dalmatien und seineVolkskunst", waren die beiden großen undverständnisvollen Sammlerinnen dieses Raumes

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