Das
Verlagssystem
Kriege, Militärblockaden, Rohstoffverteue-rung und veränderter Kundengeschmackführten im 18. Jahrhundert zum Nieder-gang der alten Glasmachergeschlechter inGablonz und Umgebung. Zu Beginn des19. Jahrhunderts entstand eine neue In-dustrieform mit vielen kleinen und mittle-ren Betrieben. Produktion und Handelwaren beim Verlagssystem der neu etab-lierten Gablonzer Industrie getrennt. DieVerleger in Gablonz Exporteure genannt- übernahmen nur den Absatz der Ware undstanden in weltweiten Handelsbeziehungen,kannten Märkte und Moden. Nach aktuellemWissensstand leitete keine Frau eine dergroßen Exportfirmen. Beliefert wurden sievon Lieferant* innen, die wiederum die Warevon den Perlenproduzent* innen bekamen.Produziert wurde in gewerblichen Betriebensowie in Heimarbeit.
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Rücksichtslose Konkurrenzkämpfeder Exporthäuser ließen die Löhne derArbeiter* innen in der Hohlperlenindus-trie immer mehr sinken. Ebenso führtenArbeitsplatzverlust und Preisverfall durchmaschinelle Fertigung zu Spannungen inder Arbeiter* innenschaft. Bereits im Juni1892 wurde in den Zeitungen kolportiert,dass ,, die Perlenarbeiter bei sechzehnstün-diger Arbeitsdauer Hunger leiden mussten".Im Jahr 1898 war die Not so groß, dasses zu Ausschreitungen und Streiks kam.Einen Ausweg sah man in der Gründung der,, Produktivgenossenschaft der Hohlperlen-erzeuger im politischen Bezirke Gablonz".Diese brachte vorübergehend zumindesteinem Teil der Arbeiter* innen Mindestlöhne.Die Gablonzer Hohlperlenproduktionbeherrschte bis 1908 den Weltmarkt.
Danach brach der bedeutende indischeAbsatzmarkt aufgrund der in Japan produ-zierten Konkurrenzware ein. Die heimischenLager blieben voll. Eine neuerliche Kriseführte 1912 zum Ende der Produktivgenos-senschaft.
Einen neuen Geschäftszweig ermög-lichte der mittlerweile in vielen Häusernverbreitete Christbaum. Wer es sich leistenkonnte, schmückte seinen Baum unter ande-rem mit Glasschmuck. In der Region Gablonzentstand als Nebenprodukt der Schmuckwa-renindustrie ein besonderer Baumdekor mitzahlreichen fantasievollen Kompositionen,dessen Herstellung sich in der ersten Hälftedes 20. Jahrhunderts zu einem florierendenGeschäftszweig entwickelte. Mit der Fluchtund Vertreibung der ansässigen deutsch-sprachigen Bevölkerung nach dem ZweitenWeltkrieg verlor die Perlenproduktion inNordböhmen an Bedeutung. Gruppen vonGlas- und Bijouterieproduzent* innen ausGablonz und Umgebung siedelten sich inÖsterreich und Deutschland an. Den histori-schen Originalen nachempfundener Christ-baumschmuck aus Glasperlen wird heutebeispielsweise im oberösterreichischenEnns hergestellt. In Tschechien produziertdie Firma Rautis in Poniklá. Die einstige For-menvielfalt der Hohlperlen sowie der daraushergestellten Gebilde ist aber verlorengegangen. Dazu haben auch neue Glasmate-rialien und Produktionsweisen beigetragen.
Soziale
Verhältnisse
Die Arbeit in der Perlenproduktion be-deutete lange Arbeitstage bei geringemEntgelt. Durch den oftmals erheblichenLohnverfall, den die Konkurrenzkämpfeder Exporteure verursachten, litten die