Glitzerwelten aus Glasperlen
Gablonzer Christbaumschmuck
Nordböhmischer Christbaumschmuck ausGlasperlen erfreut sich seit Jahrzehntengrößter Beliebtheit unter Sammler* innen.Namensgebend für die fragilen Gebilde ausGlas und Draht war das nordböhmischeGablonz an der Neiße( Jablonec nad Nisouim heutigen Tschechien). Die Stadt warallerdings nicht der einzige Produktionsortder Region. Begonnen hat diese ganz eigeneArt von Christbaumdekor als Randproduktder Glasherstellung. Die Blütezeit dervorwiegend in Heimarbeit hergestelltenund in alle Welt versandten Glasgehängelag in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
2021 schenkte Karin Beran in Erinnerungan ihre verstorbene Mutter Franziska Weissdem Volkskundemuseum Wien ein Kon-volut mit 87 Objekten. Für die vorliegendePräsentation wurde eine Auswahl getrof-fen. Die Stücke stammen aus der zweitenHälfte des 20. Jahrhunderts. Ein Teil dervon Hand gefertigten Gebilde entsprichtden alten Vorlagen detailgetreu. Ergän-zungen zu den und Abweichungen von dentradierten Mustern mancher dieser kleinenKunstwerke fallen Kenner* innen zwar so-fort auf, rauben dem variationsreichen Be-stand aber nicht seinen Charme. Insgesamtstellt der gezeigte Christbaumschmuckeine Reminiszenz an vergangene Lebens-welten dar. Die Anhänger geben Auskunftüber das verwendete Grundmaterial undlassen die Formenvielfalt der Endproduktein der Blütezeit der Gablonzer Schmuckin-dustrie erahnen. Die ehemalige Besitzerindieser fantasievollen Kreationen hat sichjedenfalls daran erfreut und ihre privateSammlung als ganz persönlichen Schatzimmer wieder um neue Stücke erweitert.
Hohlperlenerzeugung
im Isergebirge
Das waldreiche Gebiet des Isergebirgesund seiner Ausläufer mit seinen Quarz-sand- und Kalksteinvorkommen erfülltealle notwendigen Voraussetzungen fürdie Glasproduktion. Erzeugt wurdenanfänglich Flach- und Hohlglas. Endedes 18. Jahrhunderts kam es zu einersteigenden Nachfrage nach geschliffenenSchmucksteinimitationen aus Glas. Einentscheidender Vorteil gegenüber dervenezianischen Konkurrenz lag in denzahlreichen Bächen und Flüssen derRegion um das Isergebirge, die einegünstige Energieform für den Einsatzwassergetriebener Schleifmühlen liefer-ten. Ebenso spielte die Einführung derKompositionsbrennerei eine maßgebendeRolle für die aufstrebende Glasindustrieder Region. Unter Kompositions- oderKompositgläsern werden farbige, blei-haltige, leicht schmelzbare Spezialgläserverstanden, die sich für die Fertigung vonGlassteinen,-perlen sowie Hohlglasperlenund den Glasschliff besonders gut eignen.
Im 19. Jahrhundert entwickeltesich die Gablonzer Glasperlen- und Bijou-teriewarenerzeugung zu einem eigenen,florierenden sowie exportorientiertenWirtschaftszweig mit weltweiten Absatz-märkten. Die Fertigung von Modeschmuckund Glaskurzware der Gablonzer Industriewurde zur Lebensgrundlage für viele derBewohner* innen der Region. Zur Glas-kurzware gehören beispielsweise geschlif-fene Edelsteinimitationen, Glasperlenund-knöpfe, Armreifen, Aufnähsteinefür Kleiderbesätze und Schuhschmucksowie innen versilberte( metallisierte)Hohlperlen.