wie Ostern, Kirchweih und Maibeginn oderbeim streng normierten„ Fensterln". Wennsich nun Zuneigung oder Liebe entwickel-te, so boten Geschenke die Möglichkeit, dieGefühle des Gegenübers auszuloten. WieKlaus Beitl es in seinem Buch„ Liebesgaben“( München 1980) beschrieb, schafft die Gabe,, eine auf ein wechselseitiges Verhältnis an-gelegte Beziehung" und die„ Geschenkan-nahme schafft Verpflichtung". Umgekehrtmacht die Verweigerung der Geschenkan-nahme deutlich, dass eine Übereinkunftnicht erzielt werden kann, und das weitereZusammenleben im Dorf ist ohne Gesichts-verlust weiterhin möglich. Sobald die Lie-besgabe übergeben bzw. angenommenwurde, hebt sie die„, individuelle Bindungins Soziale", mehr noch, sie wird zu einemverbindlichen Rechtsakt, der die Eheschlie-Bung unweigerlich zur Folge hat, auch wenndiese nicht zeitnah erfolgen muss. Frauenhatten also ein relativ hohes Mitsprache-recht in der Frage, wen sie heiraten sollten.
Nichtsdestotrotz stellte die Solidargemein-schaft Dorf sicher ,,, dass nur Personen, diesich und den zu erwartenden Nachwuchsallein, ohne Unterstützungsleistungen durcheine dörfliche Armenkasse in Anspruch zunehmen, durchbringen konnten, zur Ehe-schließung[...] gelangten." So formulierte esMax Matter in seinem Beitrag zum Band„ Lie-be, Lust und Frust"( Darmstadt 2008). Es be-deutete, dass etliche Bevölkerungsschichten,vor allem die Besitzlosen, von der Ehe aus-geschlossen waren und damit- theoretisch- auch vom Ausleben ihrer Sexualität. Ho-mosexuelle Verbindungen waren im Übrigenauch nicht gestattet. Die Grundherrschaften
und später die staatlichen Behörden unter-stützten mit Eheverboten dieses System.
Veränderungen traten ein, als durch dieProtoindustrialisierung, das Heimgewer-be und das Manufakturwesen, durch denEisenbahnbau und schließlich durch dieIndustrialisierung und die Landflucht neueErwerbsmöglichkeiten und damit freiereHeiratsmöglichkeiten entstanden. Gleich-zeitig wurde das Ideal der romantischenLiebe aus dem Bürgertum Leitbild allerSchichten und führte letztendlich zu ei-ner Verschlechterung der Lebenssituationvon Frauen u.a. weil zu hohe Erwartun-gen an die Partnerschaft gestellt werden,die in der Realität nicht umsetzbar sind.
Die Liebesgaben als Elemente einesRechtsaktes verschwanden aus derbäuerlichen Lebenswelt. Die Volkskun-demuseen, gegründet auch aus Verlu-stängsten aufgrund der Veränderungendurch die Industrialisierung, sammeltensie gerne auf. Sie symbolisierten die hei-le, glückliche Landwelt, die es so aller-dings auch wiederum nie gegeben hat.