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Einblicke in die Sammlung Natalie Bruck-Auffenberg : 9.10. bis 16.12.2018
Entstehung
Wien [2018]
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der einstige Direktor des Volkskundemu-seums Michael Haberlandt entscheidendmitgeprägt hatte. Volkskunst galt alsanonyme Weitergabe traditionsgebun-dener Formen ohne eigene Kreativität.

Bruck- Auffenbergs Bemühungen dieSpitzenproduktion in Dalmatien anzukur-beln, um so der Armut der Bevölkerung ent-gegenzuwirken, aber auch um die Traditionzu erhalten, stellt sie hingegen in eine Reihemit ähnlichen Versuchen der Zeit. In Öster-reich- Ungarn wurde auf handwerkliche Pro-duktion und Manufakturware gesetzt, um iminternationalen wirtschaftlichen Wettbewerbmithalten zu können. Natalie Bruck- Auffen-berg war Mitbegründerin des Vereins zurFörderung der Spitzen- und HausindustrieDalmatiens", der es sich ab 1905 zum Zielsetzte, den Wert der Volkskunst dieser Re-gion nicht nur ideell zu heben. Dem Vereinwar es ein Anliegen, dass die erzielten Ein-nahmen den Produzenten und vor allem denProduzentinnen zugute kamen und nichtden Zwischen- und Antquitätenhändlern.

Mit dem umfassenden Prachtband,, Dalmatien und seine Volkskunst" wollteBruck- Auffenberg ebenfalls dem, Entschwin-den" von Dingen, von Herstellungstechnikenund Mustern etwas entgegensetzen. DieZeit, in der sie sammelte, von 1896-1914,war jene, in der aus militär- politischenund wirtschaftlichen Gründen Verkehrs-wege auf dem Balkan erschlossen wurden.Eisenbahn, Schiffsverkehr, ja schließlichdas Automobil wurden von der Autorinin ihrem Buch nicht nur als ihre Fortbe-wegungsmittel benannt, sondern es wird

immer wieder einmal deutlich, wie sichdurch diese Möglichkeiten des Reisens unddes Warenverkehrs auch die Selbstwahr-nehmung der Region verändert, zuerst inden Städten und regionalen Zentren.

Bruck- Auffenberg dokumentierteDalmatiens Volkskunst, erschuf sie durchdieses Festhalten selbst mit, auch wennihr dies nicht bewusst war, und hattedabei wieder ökonomische Absichten,nämlich die Förderung der Erwerbstä-tigkeit der Frauen in Dalmatien, die fürihre Produkte in alten Techniken ent-sprechend entlohnt werden sollen.

Das Thema der Frauenerwerbstätig-keit, der Bildung und Selbständigkeit, ganzallgemein die Frauenrechte, hatte Bruck- Auf-fenberg bereits in ihrer publizistischen Tä-tigkeit beschäftigt. Allerdings kann sie nichtder Gruppe der prononciert emanzipiertenFrauen zugerechnet werden, auch wenn siein deren Umfeld aktiv war. Sie entsprachjedenfalls trotz ihrer Rolle als Ehefrau einesBauunternehmers und als Mutter dreier Kin-der nicht dem Cliché der Dame im Bildungs-bürgertum des ausgehenden 19. und desbeginnenden 20. Jahrhunderts und erfülltedie damit verbundenen Erwartungshaltun-gen der Gesellschaft nicht. Gerade ihrer Viel-seitigkeit und ihrer Selbständigkeit wegenwurde sie öffentlich angegriffen, selbst imöffentlichen Raum beleidigt. Mit Stil setztesie sich gegen vorgefasste Meinungen undAutoritäten, letztlich auch jenem, Comment'gegenüber durch, an dem sie selbst nichtunwesentlich mitgeschrieben hatte.