Druckschrift 
Einblicke in die Sammlung Natalie Bruck-Auffenberg : 9.10. bis 16.12.2018
Entstehung
Wien [2018]
Einzelbild herunterladen
 
  

Natalie Bruck- Auffenberg1854-1918

Natalie Bruck- Auffenberg wird seit etwa20 Jahren durch Feminimusforscherinnen,in der Sozialgeschichte und in der Mode-forschung über ihr Benimmbuch ,, Die Fraucomme il faut"( franz. in etwa: ,, wie es sichgehört") wahrgenommen, das erstmals1896 im Verlag der Wiener Mode erschienund etliche Neuauflagen erfuhr. Auch dieim Vorfeld und Umfeld von ihr verfasstenZeitungs- und Zeitschriftenartikel, die siemit eigenen Zeichnungen illustrierte, fin-den heute noch breitere Beachtung. In derVolkskunde und Textilkunstforschung hinge-gen ist der Name Bruck- Auffenberg mit derSammlung und Erforschung dalmatinischerSpitzen untrennbar verbunden. Das Volks-kundemuseum besitzt rund 270 Objektevon Natalie Bruck- Auffenberg, die den Kernseiner bedeutenden Dalmatien- Sammlungbilden. Nun, im Jahr 2018, da sich ihr To-destag zum hundertsten Mal jährt, ist esan der Zeit, wieder einmal Einblicke in dieSammlung und in die vielfältige Persönlich-keit von Natalie Bruck- Auffenberg zu bieten.

Zum erstem Mal kam NatalieBruck- Auffenberg 1896 nach Dalmatien.Die Reise war vom damaligen Interesse derWiener Gesellschaft an diesem österrei-chischen Kronland geprägt, das noch alsursprünglich galt und gerade noch nicht

industrialisiert oder mit modernen Ver-kehrsmitteln erschlossen war. Sie hielt ersteEindrücke mit Kamera und Skizzenbuchfest und verfasste Reiseberichte. Auf ihrerzweiten Reise im Jahr 1900 entdeckte sie aufder Insel Čiovo westlich von Split ein spitzen-besetztes Chorhemd im Franziskanerkloster,, Madonna dei Dritti". Von da an wurde diehistorische Erforschung, die Sammlung unddie Förderung der Produktion der SpitzenDalmatiens ihr vorrangiges Ziel. Dabeibehielt sie die dalmatinische Volkskunstallgemein im Auge und sammelte im Zugezweier gezielter Forschungsreisen, 1904und 1905/06, nicht nur Spitzen, sondernauch all jene Objektgruppen, die anderefrühe Forscherinnen und SammlerInnenebenfalls besonders faszinierten: bäuerli-che Arbeitsgeräte wie Rockenstäbe oderKumpfe, verzierte Alltagsgegenstände wieTabakpfeifen, Musikinstrumente, Sticke-reien, Kelims, Ostereier, Hirtenkunst usw.

Darüber hinaus führte Bruck- Auf-fenberg Gespräche mit Archäologen,Geistlichen, Beamten, aber auch mit denProduzenten und Produzentinnen von Volks-kunst und den Erzeugnissen der Hausin-dustrie, die sie als schöpferische Individuenbegriff. Damit widersprach sie der damaligenherkömmlichen Forschungsmeinung, die