Gefärbte Eier
Die Wurzeln der rituellen Anwendung von Eiern reichen weit indie Vergangenheit zurück, wie es archäologische Funde aus anti-ken Nekropolen des Nahen Ostens, Afrikas sowie Europas bele-gen. Ihre Aussage wird durch Berichte über gefärbte Eier ergänzt,mit welchen die Menschen bei Frühlingsfeiern sich gegenseitigbeschenkten, sowie mit Nachrichten aus Ägypten oder China. Alsältester Beleg eines verzierten Eis in tschechischen Landen giltein Fund von ursprünglich wohl rot gefärbten und mit geo-metrischem Ornament verzierten Eierschalen aus dem 1971 beider Grabung in der slawischen Nekropole von Velké Hostěrádky( Südmähren) freigelegten Frauengrab aus dem 1. Jahrhundert.
Das Färben von Ostereiern, ursprünglich und weithin verbrei-tet in rot, stellt die Grundverzierung dar. Wegen dieser Farbe wer-den in Westmähren und allgemein in Böhmen der Ostermontagals„ roter Montag" und Ostern als„ rote Feiertage" bezeichnet.Der tschechische Prediger und Chronist Tomáš Štítný erwähntedas verzierte Ei bereits im 14. Jahrhundert. In jener Zeit entstan-den auch die ältesten tschechischen Wörterbücher, in denen dasWort kraslice vorkommt, das ein verziertes Ei bezeichnet. DieBenennung stammt von dem alten tschechischen Verbum kráslitioder krasiti in der Bedeutung von„ verschönern", das ursprünglichmit dem Wort krásný( ,, rot") zusammenhing. In volkstümlichen Vor-stellungen bedeutete die rote Farbe Kraft und Leben sowie Schutzvor Bösem. Die christliche Interpretation der Rotfärbung alsAndenken an das Blut Christi wurde in die Volkstradition über-tragen. Gerne färbte man Ostereier auch golden, da diese Farbe mitSonnenschein, Reichtum und Wachstum verbunden wird. Das Fär-ben der Eier hat seine Wurzeln in alten religiösen und kultischenÜberzeugungen. Manche dieser alten Vorstellungen über die Bedeu-tung der Farben gerieten in Vergessenheit, besonders als neue künst-liche Farbstoffe zum Färben der Eier verwendet wurden.
Das Verzieren von Ostereiern ist in den tschechischen Ländernund besonders in Mähren eine bis heute lebendige Erscheinungmit außerordentlich langer Tradition.