Druckschrift 
Ostereier aus Mähren : Begleitpublikation zur Sonderausstellung "Ostereier aus Mähren" von 25. Februar bis 29. April 2007 ; aus der Sammlung des Ethnographischen Instituts des Mährischen Landesmuseums Brünn
(Tschechische Republik)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Hirten rollten es bei der ersten Weide rund um das Vieh, Müt-ter legten es in das erste Bad des Neugeborenen. Im Volksglaubenwurde eine solche Anwendung oft mit seinen äußerlichen Ei-genschaften verknüpft, also mit der Vorstellung der Rundheit,Ganzheit, Vollheit und Reinheit. Ähnliche Bräuche überlebten man-cherorts in Mähren bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. AlsOpfergabe, die das Haus vor bösen Mächten schützen und Geis-ter der Ahnen versöhnen sollte, wurden Eier in Baufundamentegelegt, wie es archäologische Funde aus dem 12.- 18. Jahrhundertaus Böhmen und Mähren beweisen. Laut Volksglauben konnte daserste Ei einer jungen Henne oder ein geweihtes Ei den Brandlöschen, wenn es in die Flammen geworfen wurde. Auf der altenVorstellung über die Lustrationskraft des Eis, das einen schädlichenStoff also auch die Krankheit- an sich ziehen kann, beruhtedie volksmedizinische Anwendung: Das Ei wurde rund um denKranken oder direkt auf seinem Körper gerollt. Eine solche ovolustratio fand bereits in altertümlichen Heilpraktiken Anwendung.Allgemein verbreitet sind in der europäischen Kulturtradition.Frühlingskinderspiele mit Eiern. Sie sind auch in den tsche-chischen Ländern bekannt, etwa das Eierpecken oder das Rollender Eier auf geneigter Fläche und haben sich in Westmähren teil-weise bis heute erhalten. In Mittel- und Nordmähren verstecktenEltern für ihre Kinder gefärbte Ostereier im Heu in der Scheuneoder unter Sträuchern im Garten; sie wurden so die traditio-nelle Erklärung- von einer Lerche oder goldenen Henne gebracht.

-

Mit gefärbten hohlen Eiern werden kleine Bäumchen, die Mai-bäume, verziert, mit denen Mädchen bis heute einer alten Sittefolgend Verwandte und Nachbarn im Dorf besuchen, meist amMontag vor Ostern. Der grüne Maibaum symbolisiert die erneuer-te Kraft der Natur, welche die Kinder ins Dorf bringen.

8