EINLEITUNG.
In dem von Natur und Geschichte gefügten Rahmen desösterreichischen Kaiserstaates wohnt eine bunte Fülle vonVölkerstämmen, welche wie in einem Auszuge die ethnogra-phische Mannigfaltigkeit Europas repräsentiren. Germanen,Slawen und Romanen- die Hauptstämme der indoeuropäischenVölkerfamilie setzen in verschiedener historischer Schich-tung und nationalen Abschattungen die österreichische Be-völkerung zusammen.
Es kann hier nicht auf die wechselvolle Völkergeschichteoder wohl gar auf die Besiedlungsgeschichte Cisleithanienseingegangen werden; wir werfen an dieser Stelle bloss einenkurzen Blick auf die ethnographische Karte der österreichi-schen Reichshälfte und verweisen Denjenigen, welcher sichnäher orientiren will, auf Carl Freiherr v. Czörnig's grund-legendes Werk über die Ethnographie der österreichischenMonarchie( 3 Bände, Wien 1855) sowie auf das monumentaleKronprinzenwerk:» Die österreichisch- ungarische Monarchie inWort und Bild«( namentlich den Uebersichtsband).
In compacter Masse sitzt die deutsche Bevölkerung imCentrum des Reiches. Im Donauthal von einer Reichsgrenzezur anderen und von da ins südliche Böhmen, Mähren undSchlesien hineinreichend, sowie im nördlichen Alpenlande hates seine geschlossenen Gebiete. Es ist der bayerische Stamm,der die Ostmark vom Westen her colonisirt hat und als Kernder österreichischen Bevölkerung erscheint.
Die Deutschen in Böhmen, vier deutschen Sprach-stämmen angehörig, bewohnen, ihrer Ansiedlungsgeschichteentsprechend, eine zusammenhängende Gürtel- und Grenzzone
1