benfrohen Abbildern noch Farbfotos haben wollten. Da macht sich alsooffenbar eine Bestrebung bemerkbar, mit der wir in diesem Zusammen-hang noch gar nicht gerechnet hatten, nämlich der Zug zum Selber-bemalen von Möbeln, wofür man gute Vorlagen sucht.
Es ist also doch so, daß die Besucher, oder besser gesagt, daß so mancheBesucher die Sammlungen mit gewissen Eigentendenzen betrachten. Daẞsie sich darunter unter Umständen etwas anderes vorstellen, daß sie sichzu den Objekten etwa anderes denken, als der Museumsmann vorherwußte oder sich denken konnte. Wenn man„ Volkskunst" ausstellt, umeinmal den Ausdruck als Schlagwort zu gebrauchen, muß man offenbardamit rechnen, daß er in der Gedankenwelt der vielen nichtfachlichenBesucher durchaus nicht so problematisch reflektiert wird wie in jenervon genau zeitgemäß geschulten Volkskundestudenten, sondern daß erals Oberbegriff für verschiedene Erscheinungen gilt, die man zusammenmitunter mit dem Titel ,, Heile Welt" überschrieben hat. Das heißt, einTeil zumindest der museal ausgestellten Objekte wird nicht als aus demgehobenen Alltag ausgeschieden betrachtet, sondern im Gegenteil in die-sen zurückzuholen versucht.
Die geballte Darbietung von Majoliken, von Hinterglasbildern, von be-malten Truhen und Kasten läßt nicht nur ästhetische Empfindungen wei-terreifen, sondern wird auch Anreiz zur Übertragung in die eigene, per-sönliche Welt. Anreiz zur Erwerbung aus dem Antiquitätenhandel bei-spielsweise, Anlaß zu einer Variante des Zielgebietes ,, Schöner Wohnen".Nicht umsonst sind mindestens die Hälfte der gezählten Besucher vonGobelsburg Frauen und Mädchen. Als man den 40.000sten Besucher be-grüßen konnte, am 15. August 1973, handelte es sich um ein jungesEhepaar. Das ist also grundsätzlich etwas anderes als bei anderen Schloß-museen, die alte hohe Kunst darbieten, oder Ausgrabungen aus vor- undfrühgeschichtlicher Zeit. Hier schwingt einiges an Leben mit. Daß essich dabei um zeitlich bestimmte, wohl auch zeitlich begrenzte Wellenhandelt, die mit unserem optisch angereicherten Zeitalter zu tun haben,ist selbstverständlich. Es ist dabei nicht nur an das Fernsehen gedacht,dessen Übertragungen aus Gobelsburg allerdings immer besonders starkwirken, sondern auch an die moderne Volkskunst- Literatur. Was heutevon einigen Verlagen an vorzüglich bebilderten Werken über Bauern-möbel, über Hinterglasbilder, über Votivbilder usw. auf den Markt ge-bracht wurde und weiterhin wird, das hat da schon auch seinen beträcht-lichen Anteil. Selbstverständlich ist stets höchstens einer von 100 Mu-seumsbesuchern auch ein Bücherkäufer. Aber auch daraus ergibt sichallmählich ein gewisser Grundstock von Kennern, von Menschen, dieeinfach seit ein paar Jahren bedeutend mehr von diesem Sondergebietwissen, als dies noch vor wenigen Dezennien denkbar war. Dazu trägtselbstverständlich auch bei, daß die Verlage heute solche Bildbände sohervorragend ausstatten, daß man mit einem Schlag Farbtafeln vonMöbeln oder von Keramiken oder von Hinterglasbildern in Händen hat,wie man sie etwa in der Studienzeit unserer Generation noch nicht für
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