seum über keinen Hausphotographen verfügt, es sollen womöglich auchAnsichtskarten und Farbphotos bereit gestellt sein. Dabei handelt es sichhierbei um ausgesprochene Risiko- Unternehmungen. Der Katalog derSammlung ,, Religiöse Volkskunst", eine erste Aufarbeitung dieses Be-standes, ist heute, nach sieben Jahren, noch in der Erstauflage greifbar.Der erste Katalog von Gobelsburg war nach zwei Jahren vergriffen, zujeder weiteren Ausstellung wurde ein weiterer Katalog gemacht. ZurAusgabe von Farbphotos haben wir uns spät entschlossen, weil sie inkleinen Auflagen doch sehr teuer kommen, aber sie verkaufen sich über-raschend schnell ab. Das heißt also, daß Schloßmuseen auch in dieserHinsicht andere Lebensbedingungen aufweisen als Stammhäuser undDependancen innerhalb der Großstadt.
In dieser Hinsicht haben wir also immer wieder neue Erfahrungen zumachen und womöglich auch zu verwerten. Das ist, nebenbei gesagt, fürden wissenschaftlichen Museumsbeamten nicht ganz leicht, da er dochin dieser Hinsicht kaum geschult worden ist. Was über den reinen Fach-betrieb hinausgeht, muß er erst im Lauf der Zeit erlernen, wobei er ineinem halbwegs gut laufenden musealen Betrieb unter Umständen vonseinen Leuten mehr lernen kann, als der nur auf den akademischen Be-trieb eingestellte Kollege glauben würde. Das gilt nicht zuletzt auch fürdie praktische Vorbereitung solcher Aufstellungen und Ausstellungenin einem Schloßmuseum, das nach der Eröffnung der jeweiligen Saisondoch für sich leben muß. Denn eine Betreuung, wie sie im Hauptgebäudeüblich ist, mit den regelmäßigen Sonntagsführungen und den ungezähl-ten Spezialführungen von Interessenten, fällt doch, 70 km von Wien ent-fernt, vollkommen weg.
Das soll nicht heißen, daß eine solche Betreuung, wenn auch mit ande-ren Mitteln, auch in Zukunft wegfallen müßte. Der vielzitierte techni-sche Fortschritt beschert uns immer wieder Neuerungen, die auch füruns von Bedeutung werden können. Wir haben es selbst erlebt, daß sichinnerhalb von sieben Jahren, seit der Eröffnung des Schloßmuseums Go-belsburg, die Verkehrsverhältnisse sehr weitgehend geändert haben.Während wir am Anfang mit gut zwei Stunden Fahrzeit rechnen mußten,wobei ja die Strecke über die Straße am Fuß des Wagram nicht uninter-essant, aber doch etwas mühsam war, fahren wir seit der Fertigstellungder Stockerauer Schnellstraße nur mehr eine knappe Stunde, und habenzusätzlich noch das Erlebnis einer vollkommen gewandelten Kulturland-schaft mitten im Tullnerfeld zu verbuchen. Wir könnten also daran den-ken, in Zukunft für die intensivere Betreuung der Schloßmuseumsbesu-cher nicht nur wie bisher Plakate, Kataloge, Farbphotos und vor allemBeschriftungen zu verwenden, sondern akustische Führungsgeräte, wiesie ja an sich längst entwickelt sind, deren Anwendung bisher aber dochaus finanziellen und vielleicht auch aus hygienischen Gründen noch nichttunlich erscheint. Aber es gäbe ja auch andere Möglichkeiten, die sichnach einer vermutlich nicht ganz billigen Anfangsinvestition wahrschein-lich doch rentieren würden.
Die Grundlage dafür wird aber wieder die wissenschaftliche Vorverar-
12