keinerlei Bestand und hatten auch keine Aussicht, die erforderlichen Vi-trinen bauen zu können. Da ergab es sich, daß knapp vorher die Samm-lung für Plastik und Kunstgewerbe des Kunsthistorischen Museums aufganz neue Vitrinen umgestellt worden war. Wir konnten die schönenalten Vitrinen dieser Sammlung entlehnen, führten sie nach Gobelsburgund hatten damit einen vorzüglichen Grundbestand; die Majoliken prä-sentierten sich in diesen vornehmen Vitrinen ganz ausgezeichnet!Aber die lichten Räume, vor allem die weiten Gänge, boten, wie sich so-gleich ergab, bei weitem mehr Raum als eine Majolika- Aufstellung alleinerforderte. Daher bezogen wir uns auf die von der Volkskunstforschungerarbeiteten Beziehungen der Majolikamalerei zur Möbelmalerei undstellten in die Gänge eine Auswahl von sehr guten beschnitzten undbemalten Kasten und Truhen.
Dieses erste, ziemlich systematisch erarbeitete Ensemble ließ sich in dennächsten Jahren durch kleine Sondersammlungen erweitern, so vor allemdurch einen eigenen Raum, den wir der Volkskultur des Waldviertelswidmeten, um die Beziehungen von Gobelsburg zu Zwettl zu unterstrei-chen und gleichzeitig eine Art von Gegengewicht an Hafnerkeramik zuraufwendigeren Majolika zu schaffen. Dann ergab sich in den nächstenJahren, daß weitere Räume frei und restauriert wurden. Wir haben dortalso einmal eine besondere Ausstellung eines neuen Sammelgebietes desMuseums gezeigt, nämlich„ Österreichs Volk, gesehen mit den Augender Maler unserer Zeit“. Das war für uns sehr schön, für die Besuchervielleicht etwas schwierig. Denn es hatte sich ergeben, daß Gobelsburgim Gegensatz zum Hauptgebäude, im Gegensatz vor allem zur Ursuli-nenapotheke, ein Anziehungspunkt für Besucher geworden war. Wennwir im Hauptgebäude in normalen Monaten 400 bis 600 Besucher zählenkonnten, fanden sich in den Sommermonaten in Gobelsburg schon etwa1000 bis 1500 Besucher ein.
Ein Schloßmuseum wie Gobelsburg wirft also verschiedene Problemeauf. Es hat den Vorteil, der Verwaltung nichts zu kosten. Da es sich umeinen Sommerbetrieb handelt, spielen Beheizung und Beleuchtung keineRolle. Man muß einmal, bei der Aufstellung, und zwar bei der Aufstel-lung des Grundbestandes wie bei den eventuellen Wechselausstellungen,viel Zeit und Arbeit und auch etwas Geld investieren. Die ganze gei-stige und ausstellungsmäßige Leistung entfällt auf das Museum, womög-lich auf nur zwei wissenschaftliche Beamte, aber auch auf die Restau-ratoren, Präparatoren, Handwerker und Aufseher, die für die gesamteinterne Vorarbeit verantwortlich sind. Es muß ja jedes Stück hier fertig-gemacht, beschriftet, kurz: ausstellungsreif gemacht werden, ebenso je-der Untersatz, jeder Hänger, jede Vitrine. In Gobelsburg kann dann je-weils an ein oder zwei Stelltagen die Aufstellung völlig fertig montiertwerden. Dazu sollen womöglich auch schon die Kataloge fertig sein,deren Manuskripte doch erst über den Stand der sehr unzureichendenErstinventarisationen hinaus erste wissenschaftliche Erfassungen desSammlungsgutes sind, es soll durchphotographiert sein, obwohl das Mu-
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