gesammelt hatte, das ließ sich aufgliedern und ergab schon bei erstenAusstellungen nach dem Zweiten Weltkrieg unerwartetes, zunächst oftuninterpretiertes Material gerade zu dem weiten Gebiet der Volksfröm-migkeit. Erst durch solche Vorarbeiten wurde doch bewußt, daß dasMuseum Dutzende von Darstellungen des hl. Johann von Nepomuketwa besaß, wobei die„ kleinen Andachtsbilder" zunächst gar nicht be-rücksichtigt werden konnten. Daß das Museum ohne weiteres Beiträgezur Christus- Ikonographie leisten konnte, mit Darstellungen vom Chri-stuskind in der Wiege bis zum leidenden Christus in der Rast und zudem am Weinstock gekreuzigten Christus. Es kam uns zugute, daß somanches dieser Themen von der österreichischen Volkskunstforschungaufgegriffen worden war, lange bevor noch die Kunstgeschichte einespezialisierte Ikonographie zu betreiben begonnen hatte. Was MichaelHaberlandt einst beinahe nur mit glücklichem Griff und ohne Kennt-nis der eventuellen geschichtlich- kunstgeschichtlichen Zusammenhängeerworben hatte, das hatte Karl von Spieß nicht selten durch seine mytho-logisch- volkskunstgeschichtlichen Interpretationen bekanntgemacht. Daergab sich also ein gewisser Grundstock, auf dem weitergebaut werdenkonnte.
Es hatte freilich in der Zwischenzeit die neuere Forschung, vor allemdie durch Rudolf Kriss erneuerte Wallfahrtsvolkskunde, viel an weiterenGesichtspunkten geschaffen. Und was davon ausgehend Gustav Gugitzan genauer Kenntnis der Gnadenbilder und der von ihnen ausgehendenkleinen Andachtsbilder geleistet hatte, das war auch dem Museum zu-gute gekommen. So konnten auch manche Nacherwerbungen gerade injenen Jahren beinahe planmäßig durchgeführt werden. Wenn die klei-nen Andachtsbilder etwa vom längst verschollenen Christuskind- Gnaden-bild in der Kirche des ehemaligen Wiener Königsklosters Kunde gaben,so fühlten wir uns dadurch legitimiert, eine köstliche gemalte Devotio-nalkopie zu erwerben. Sie ist nur eine in der langen Reihe ähnlicherBilder, die für uns stets nicht nur Hinweise auf bestimmte Zentren derVolksfrömmigkeit in Wien darstellen, sondern auch Erinnerungen anbestimmte Untersuchungen, die von uns oder in unserem Umkreis durch-geführt wurden. So erinnert das Bild der Madonna mit der blutigenStirnwunde nicht nur an die einst berühmte Wallfahrt von Madonna diRe im Val di Vegezzo und deren Filiation in Klattau, sondern auch dar-an, daß Leopold Kretzenbacher 1951 die erste maßgebliche Studie dar-über vorgelegt hat. Und bei der Devotionalkopie der„ Betrübten Mutter-gottes" von der Dreifaltigkeitskirche in der Alserstraße ist jene Interpre-tation mit der Entdeckung Hans Aurenhammers verbunden, der 1954dieses plastische Verehrungsobjekt als Werk von Pedro de Mena fest-legen konnte.
Mit solchen Erinnerungen an eine in sich vielfach aufgegliederte For-schung sind für uns fast alle Objekte dieser Sammlung verbunden. Wasin langen Jahrzehnten oft nur mit gutem Griff aus dem Antiquitäten-handel erworben wurde, das hat sich meist doch erst viel später seinerHerkunft und Geltung nach identifizieren lassen. Eine kleine Holzpla-
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