Druckschrift 
Die Außenstellen des Österreichischen Museums für Volkskunde : Ursulinenklosterapotheke in Wien und Schlossmuseum Gobelsburg
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Museum für Volkskunde verfiel, war vielleicht merkwürdig, mußteaber doch nach einigem Überlegen gutgeheißen werden: Handelte essich doch um keine der aufwendig eingerichteten Klosterapotheken, wiesie etwa bei den Elisabethinen auf der Landstraße oder bei den Barm-herzigen Brüdern in der Leopoldstadt erhalten sind, sondern um eineschlichte, für den internen Klostergebrauch geschaffene Apotheke, nichtmit furnierten Hartholzmöbeln, sondern mit hübsch bemalten Weich-holzschränken ausgestattet. Die wohl im Gesamt erhaltenen Apotheken-gefäße aus Holz, Glas, Zinn und Majolika muteten uns nicht fremd an,die Andachtsbilder, vor allem der Christus als Apotheker" selbst, lie-Ben sich auch von uns aus verstehen und interpretieren.

Kurzum, die Apotheke konnte für das Museum eine Bereicherung sein,wenn sie zugänglich gemacht wurde, das heißt, wenn wenigstens dienächsten Nebenräume dazugenommen und adaptiert würden. Das ge-schah in geradezu großzügiger Weise. Wir bekamen die Räume bis zurJohannesgasse hin und noch ein Stück ins Gebäudeinnere zurück, konn-ten auch den Verbindungsgang nützen und all das nach unseren Vor-schlägen mit beleuchteten Stand- und Wandvitrinen ausstatten lassen.Den inneren Plan bestimmte die an Ort und Stelle belassene, aber selbst-verständlich restauratorisch überholte Apotheke. Der, Christus als Apo-theker", ein charakteristisches Stück einer ganzen großen Bildergruppe,verlangte geradezu, daß der Raum vor der Apotheke der Christusver-ehrung gewidmet werden mußte und es ergab sich ganz organisch, daßder Raum hinter der Apotheke der Marienverehrung gewidmet werdenkonnte. Das große Votivbild von Klein- Mariataferl in Jedlersdorf, dassich zufälligerweise in der Apotheke fand, erlaubte es uns, die Zusam-menhänge der marianischen wallfahrtlichen Devotion weiter auszuspin-nen. Was sonst noch an Raum blieb, vor allem die großen schönen be-leuchteten Gangvitrinen, die wir eigens hatten ausstemmen lassen,konnte verschiedenen Gruppen der Heiligenverehrung gewidmet werden,vom Hausschutzpatron St. Florian über die Pestpatrone Rochus undSebastian bis zu den Heiligen Anna und Johannes dem Täufer, derenVerehrungsdarstellung sich nicht zuletzt dadurch nahelegte, daß dasKloster ja zwischen Johannesgasse und Annagasse gelegen ist. Die Be-ziehung zum innersten Wien im Sinn einer Andeutung der alten ,, Viennasacra" konnte, ja mußte hier aufgenommen werden.

Man mag sich fragen, wie das Museum eigentlich mit einem Schlag andie 500 Objekte in eine solche Außenstelle investieren konnte, Objekte,die thematisch genau in eine durch die Klosterapotheke bedingte Kon-zeption ,, Religiöse Volkskunst" passen sollten. Man muß dazu sagen,daß das Museum von seinen ersten Anfängen an Gegenstände zu demThemenbereich gesammelt hatte, also Heiligenbilder, oft Devotional-kopien von Gnadenbildern, Hinterglasbilder mit den verschiedenstenHeiligendarstellungen, Keramik, nicht zuletzt Volksmajolika mit reli-giösen Darstellungen, Hafnerkeramik aus dem Bereich der Andachts-plastik, der Weihbrunnkesselchen. Was das Museum so ganz allgemeinaus der Frühen Neuzeit, aus den Jahrhunderten zwischen 1600 und 1850

6