Volkskunst
I
n der Darstellungskunst des Volkes nehmen Bildhauerei und Malereieine besondere Stellung ein. Ihre Erzeugnisse dienten dem Kult im allgemeinen Sinn dieses Wortes, aber auch zum Schutz bei sämlichenalltäglichen Tätigkeiten in den traditionsreichen bäuerlichen Gemeinschaften.Sie wurden bei festtäglichen Bräuchen verwendet, sie waren Attribute derMagie. Darstellungen Gottes und seiner Heiligen, denen die Leute tiefeVerehrung entgegenbrachten, wurden in Kapellen und kleinen Hausaltärchenaufgestellt, sie wurden an die Wände gehängt und bildeten dort ganze Gale-rien von Heiligen. Je nach örtlichem Kunstgeschmack und Wohlstand wur-den diese Gestalten schön ausgeführt. Die Heiligen für diese Sammlungen vonAndachtsbildern muẞsten immer sorgfältig ausgewählt werden, damit es unterihnen nicht an Darstellungen von Christus und der Muttergottes fehlte.
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Die Patronate der Heili-gen und ihre beschützen-den Funktionen hingen engmit lokalen Traditionenund Kulten zusammen.Nur der Heilige Florianund der Heilige JohannesNepomuk als Beschützervor Feuer und Überschwem-mung erfreuten sichallgemeiner Beliebtheit. DieKultgegenstände wurden ge-erbt, als Mitgift eingebracht,direkt von Handwerkernoder Hausierern gekauft,von Jahrmärkten, Kirtagenoder Wallfahrten mitge-bracht und waren in derMerzahl nicht signiert. Fürden Bedarf der bäuerlichenKundschaft arbeiteten so-wohl einzelne Künstler alsauch kleinstädtische Han-dwerksbetriebe. Die letzterenbefanden sich meistens inunmittelbarer Nähe von
Gekreuzigter Christus am We-gkreuz. Ende des 19. Jh. Umgebungvon Gdów, Woj. Kraków.