-7-
enthielt und uns zum ersten Mal eine ungefähre Ahnung von dem sonst unvorstellbaren Um-fang der vorhanden gewesenen Schriften eines einzigen habanischen Hauses und von derArt des" Sortiments" vermittelt. Hier noch unbedingt anzufügen ist die Arbeit von Imre Holl" Mittelalterliche Funde aus einem Brunnen in Buda"( Budapest 1966), der den einzigartigenFundkomplex mit Objekten der Keramik und Glaskunst, aber auch Gegenständen der Blei-gießer, Kunstdrechsler und Faẞbinder behandelt.
All diesen angeführten Funden haftet der über den Einzelfund gehende Zusammen-hang eines spezifischen Komplexes an, der zur Erstellung eines getreuen Bildes vom Lebenvergangener Tage gesteigert beitragen kann. Diese Aufgabe fällt vor allem der Volkskundeals kulturhistorische Wissenschaft zu, weil nur sie auf Grund ihrer Forschungsgeschichteimstande ist, die vielen kleinen, oft unscheinbaren Zeugen der Vergangenheit richtig zu be-stimmen und sie in ihren historischen Zusammenhang zu bringen. Damit wird aber Fleisch undBlut auch von dieser Seite an das historische Gerippe herangetragen und der VergangenheitLeben eingehaucht. Diese starke Seite der Volkskunde ist aber auch in der Tat immer wiederunter Beweis zu stellen, das heißt, die Volkskunde muß sich ihrer Fähigkeiten und der darausresultierenden Aufgaben stets bewußt sein.
Doch zurück zum Kellerfund. Wie war es mit dem Abenteuer?
Zuerst mußten die Scherben gewaschen und gereinigt werden. Diese zeitraubendeund undankbare Aufgabe übernahm meine größte Hilfe im Schloß, meine eigene Frau. In derWerkstätte haben wir vorsorglich die beiden alten zweiteiligen Abwaschbecken der altenSchloßküche einbauen und mit einem Boiler versehen lassen. Trotzdem waren bald alle Kubelvoll und bald auch der ganze westliche verglaste Laubengang mit Scherben zum Trocknenausgelegt.
Und nun galt es, so weit nur möglich die Scherben zu gruppieren und womöglicheinige der größten Gefäße wenigstens provisorisch mittels Crepepapierkleber zusammenzu-stellen. Als erstes Gefäß sortierte ich die starken irdenen Scherben eines riesigen Schmalz-topfes und einige innenglasierte Töpfe aus, deren Scherben einigermaßen komplett vorhandenwaren. Dies natürlich alles unter den kritischen Augen des neugierigen Gärtners, der sichabsolut nicht vorstellen konnte, was ich da mit dem ganzen Scherbenhaufen vorhaben konnte..
Nun wuchsen auf einmal die Gefäße in die Höhe, sie nahmen Gestalt an und