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Der Kellerfund von Kittsee
Entstehung
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Und was jetzt? Am nächsten Tage sollte ja schon im oberen Raum die Betonie-rung durchgeführt werden. Da durften wir keine Minute verlieren. Im Nu waren zwei derausrangierten Katastrophenscheinwerfer der Wiener Feuerwehr, die ich seinerzeit für Zweckeder Fassadenbeleuchtung bei einem Altwarenhändler erstanden hatte, montiert. Und nun be-gannen wir zu viert- die beiden Tischlergesellen, unser Gärtner Heinrich Reiteritsch undich- mit dem vorsichtigen Umschaufeln der ganzen Halde. Unvergessen bleibt mir der un-gläubige Gesichtsausdruck meines braven Gärtners, der es einfach nicht verstehen konnte,so einen Riesenberg umzuschaufeln, nur um ein paar Scherben herauszuklauben. Und wirschafften es. Das Frühstücksbrot blieb unberührt, die Mittagspause wurde freiwillig auf einMinimum reduziert und auch der Feierabend hatte für die im Keller sich gegenseitig anei-ferden Schwerarbeiter keine Gültigkeit. Oben aber an der Durchbruchsstelle saẞ unver-drossen der" alte Tomaschitz", der es einfach nicht fassen konnte, daß wir da unten nurScherben und wieder nur Scherben heraussuchten.

Gegen sieben Uhr waren wir fertig. Der Berg war durchgeschaufelt, ca. 100 kgScherben und ein großer Pappkarton mit Knochenklein u.a. war die Ausbeute des Tages.Und am nächsten Tag schon versperrte die neue Betondecke den einzigen bisher

nicht mehr bekannten Keller des Schlosses.

Und jetzt erst begann das faszinierende Abenteuer für mich.

Wie ich schon in meiner Arbeit" Aufgaben der volkskundlichen Archäologie"( Wiener völkerkundliche Mitteilungen, 2. Jg., Wien 1954, Nr.2, S. 184- 192) darlegenkonnte, sind die Möglichkeiten der Auffindung geschlossener Fundkomplexe in unserenBreiten sehr gering. Die zwei großen Paradebeispiele sind der Fund von Schwanenstadt( publ. von Hermann Ubell, in: Werke der Volkskunst, Bd.1, Wien 1914, S.57- 64) undder Fund von Poysdorf( publ. von Alfred Walcher- Molthein, ebendort, S. 75- 89). MeinBeitrag zu diesem Thema waren u.a. die Gruftbestattungen zu St. Michael in Wien mitUntersuchungen der Bestattungen, der Sargmalerei und der Totenbeigaben( In: Kultur undVolk. Festschrift für Gustav Gugitz. Veröffentlichungen des Österr. Museums für Volks-kunde, Bd.5, Wien 1954, S. 245- 274) und der Depotfund von Sobotište, Slowakei( in:Robert Friedmann- Adolf Mais, Die Schriften der huterischen Täufergemeinschaften,Österr. Akademie der Wissenschaften, philos.- hist. Klasse, Denkschriften, Bd.86,Wien 1965, S. 35- 45), der nicht weniger als 126 Handschriften und Handschriftenfrag-mente- infolge der 1761 erfolgten Einmauerung in entsprechend denkbar schlechtem Zustand-