In Reisebeschreibungen, Geschichtsbüchern und anderen schriftlichen
Quellen finden sich detaillierte Angaben über die Wohnkultur der dinar-ischen Region. So schreibt Alberto Fortis über das Leben der dalmatini-schen, weit von Küste und Städten entfernt in den Bergen lebendenMorlaken:" Ihre Hütten sind mit einfachen und wenigen Möbelstückenausgestattet, den Bedürfnissen der Ackerbauern und Hirtenentsprechend, die in ihren Berufen wenig vorwärts gekommen sind... ImMittelpunkt der Hütte steht der Herd, der Rauch entweicht durch die Tür,weil es üblicherweise keine anderen Öffnungen gibt. Deswegen sind dieWände in diesen ärmlichen Hütten schwarz und glänzend... In denJahreszeiten, in denen das Feuer gut tut, sitzt die ganze Familie beimAbendessen um den Herd herum; jeder schläft am selben Platz, an demer beim Essen gesessen hat, indem er sich auf dem Bodenausstreckt...".
Die Häuser in der dinarischen Region sind entweder ebenerdig oder mitObergeschoß und Dachboden aus Stein gebaut. Im Erdgeschoß befind-et sich stets die Küche, in deren Hintergrund der Herd oder die offeneFeuerstelle liegt. Über dem Herd wird auf dem Deckenbalken eine Lattebefestigt, an der die Kesselkette aufgehängt ist. Rund um die Feuerstellestehen Stühle und Bänke zum Sitzen und Wärmen; ebenso ein Bett, indem im Winter die älteren Hausbewohner schlafen oder die Frauen ihreKinder zur Welt bringen. Der andere Teil der Küche dient zum Abstellenvon Gegenständen, Geschirr und Werkzeug. Gegessen wird an einemrunden drei- oder vierbeinigen Tisch. An der Wand in der Nähe desTisches hängt ein Regal, auf dem Teller aus Holz und Keramik aufgerei-ht sind. Im Hintergrund der Küche steht meist auch ein Webstuhl.Im Zuge einer 1997/1998 durchgeführten Feldforschung in der dinar-ischen Region besichtigte die Kuratorin der Ausstellung, ZvjezdanaAntoš, in verschiedenen Dörfern einige Küchen. Sie konnte dabei fest-stellen, dass die Anordnung der Gegenstände der obigen Beschreibungauch heute noch völlig entspricht. Die Mehrzahl der Bewohner dieserRegion lebt vorwiegend in der Küche. Gäste hingegen werden in einerneuen Küche empfangen, deren Möbel meist aus den siebziger Jahrenstammen. Dieser Raum wurde in einem nach dem Auszug der erwach-senen Kinder frei gewordenen Zimmer eingerichtet. In der neuen Küchesteht ein kleinerer vierbeiniger, blaugrüner Tisch, eine Bank ohne Lehneund vier Stühle in derselben Farbe sowie eine Kredenz mit Glastüren.Außerdem befindet sich dort ein Herd mit Holzfeuerung, ein Kühlschrankund ein Elektro- oder Gasherd. Die Bewohner halten sich jedoch lieber inder alten Küche auf- besonders, wenn es kalt ist und man sich amHerdfeuer wärmen kann.
Nach Angaben einiger Auskunftspersonen pflegte die Braut ins Haus desBräutigams eine Aussteuer mitzubringen, die vor allem aus einer Truheund einem Stuhl bestand. Die Einrichtung des Schlafraumes umfassteein Bett, eine Truhe und eine Wiege. An der Wand hingen ein Spiegel, einMadonnenbild und ein Rosenkranz. Zu einer Änderung derMöbelanordnung kommt es in den siebziger Jahren, als industriellhergestellte Schlafzimmermöbel- zwei Schränke und zwei Ehebetten mitNachtkästchen- in Mode kamen. Die Übergangsform zwischen Truheund Schrank, die Kommode, kommt in dieser Gegend relativ selten vor.
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