Existenz des„, Klaubaufs", entrückt ihn gleichzeitig aber ins Virtuelle.Sie nimmt ihm den Schrecken, den er in der direkten Begegnung imBrauch ja durchaus hervorzurufen vermag.
Obzwar er sein Dasein dem heiligen Nikolaus verdankt, konnte er sichim Laufe der Zeit von seiner Dienerrolle loslösen, um ohne himm-lischen Kontrollor seine Spielchen mit den Menschenkindern treibenzu können. Auf der Postkarte rufen die drohenden und verführerischenGesten freilich nur ein lustiges Augenzwinkern hervor, geraten zurironischen Anspielung, aber auch zum geheimen Wunschdenken dermännlichen Absender. Dieses Diabolisch- Anrüchige macht vermutlichdie Faszination der Krampuskarte aus, die im Zeitalter der Handys undE- Mails ihre Funktion zwar einbüßte, es dafür aber schaffte, in denOlymp der Sammler emporzusteigen.
Einem Volkskundemuseum steht es gut an, einmal nicht die Weih-nachtskrippe, sondern den teuflischen Begleiter des heiligen Nikolausin den Mittelpunkt einer Adventausstellung zu rücken. Die Direktionergreift daher gerne die Gelegenheit, die Krampuskartenkollektion vonErnst Brodträger der Öffentlichkeit zu präsentieren, zumal- hier trifftOtto Königs Feststellung ja durchaus zu- das Österreichische Museumfür Volkskunde über keine systematische Krampuskartensammlungverfügt. Sein Interesse galt in erster Linie den Masken, den geschnitz-ten Holzlarven, wovon sich die Besucher im Maskenschauraum eineindrucksvolles Bild machen können.
Für die Bereitstellung der Kartensammlung sei Ernst Brodträger undseinem Entdecker und Mentor Gerhard Fischer, der sich die Aus-stellung zu einem persönlichen Anliegen machte, herzlich gedankt.Ebenso den Verfassern der Katalogbeiträge und jenen, die zur Gestal-tung der Ausstellung beitrugen. Gebührender Dank ist schließlich auchdem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur für dieGewährung der jährlichen Fördermittel abzustatten.
Franz Grieshofer
1 König, Otto: Klaubauf- Krampus- Nikolaus. Maskenbrauch in Tirol und Salzburg. Wien1983, S.7/ 8
4 Gruß vom Krampus