auch die erste und bis heute noch immer unerläßliche Gesamtdarstellungder Volkskunde des Burgenlandes verfaßt. Alle weitere Volkskunde-arbeit in Österreich und nicht zuletzt diejenige des EthnographischenMuseums Schloß Kittsee baut auf den Leistungen dieser beiden Wissen-schafter und der von ihnen geschaffenen Fachinstitutionen auf.Der Einführung in die Schausammlung dient weiterhin im ersten Stockder im Westflügel anschließende Gang, wo mit Hilfe von alten Land-karten, Katasterplänen und Luftbildern die Geschichte und räumlicheEntwicklung des Ortes Kittsee dargelegt werden. In mehreren Vitrinenwerden zudem ausgesuchte Beispiele des von Adolf Mais 1973 im SchloßKittsee gemachten Kellerfundes alter Gebrauchskeramik ausgestellt. Ineinem verschütteten Keller unterhalb der ehemaligen Schloßküche unddes heutigen Museumsbuffets wurden 120 kg Tonscherben ausgegrabenaus der Zeit von 1668 bis 1705, wie sich nach gründlicher Siebung undSichtung des Materials herausstellte. Einige der schönsten wiederherge-stellten Keramiken, darunter Schwarzhafnerware und Habaner Fayencen,sind hier zur Schau gestellt.
Die Abfolge der Schausammlungsräume ist in mehrere Bereiche geglie-dert, die der Darstellung jeweils kulturräumlicher und ethnischer Ein-heiten Ost- und Südosteuropas gewidmet sind. Der Rundgang beginntim alten Bischofszimmer" mit dem Bereich ostslawischer Volkskulturen.Die russische Kollektion geht auf eine Widmung des Rumjanzow- Mu-seums in Moskau zurück und enthält Trachten, Textilien und Spielzeugsowie charakteristische Erzeugnisse( Dosen und Flechtarbeiten) aus Bir-kenrinde. Die Ukrainer sind vorzüglich mit Erzeugnissen der Volks-keramik, Holzarbeiten und Schmuck vertreten, wobei der Bergstamm derHuzulen besondere Berücksichtigung findet. Es fällt hier die Farbenprachtder Hinterglasbilder mit religiösen Darstellungen auf, aber auch diefigural verzierten Ofenkacheln mit Szenen aus den beliebten Räuber-legenden ihrer Zeit, die zu den Glanzstücken der Sammlung gehören.Die liturgischen Handkreuze aus Holz sind Zeichen für die Religiositätdieses Volkes, aber auch für die Armut der ländlichen Geistlichkeit.Beim Bauernschmuck der Huzulen ist besonders auf den Gelbguẞ hinzu-weisen, vielleicht die letzte Ausstrahlung der Alt- Kiewer Messingguẞ-kunst. Typische Erzeugnisse in dieser Technik sind die Kreuze, Gürtel-schnallen und Topor- Stockbeile.
Der zweite Raum, aus dem ursprünglichen Iwan- und Chinesischen Zim-mer hervorgegangen, vereinigt volkskundliche Zeugnisse für den west-slawischen Bereich. Die Polen sind mit Brauchgestalten wie dem ur-sprünglich auerochs-, später pferde- und ziegengestaltigen turòn ver-treten; daneben volkstümliche Keramik der Goralen, der südpolnischenGebirgsbevölkerung in der Tatra. Devotionalkopien der Schwarzen Mut-tergottes von Czenstochowa, der Schutzpatronin Polens, verweisen aufdie tief eingewurzelte Volksfrömmigkeit dieses Volkes.
Eine mährische Brauchgestalt ist die čaramura oder smrtolka, eine mit
Ethnographisches Museum Schloß Kittsee