Vestibül empfangen. Die Stuckverzierung an den sechs Platzlgewölbender Decke und an den Pfeilern um 1740 stammt aus der Zeit derBarockisierung des Schlosses unter den Esterhazys. Das Batthyány-Wappen und das schmiedeiserne Gittertor hingegen gehören der Zeit umdie Jahrhundertwende an. Die einstige Schloßdurchfahrt und aufgelasseneKapelle mit ihren flachen Platzlgewölben über drei Joche und der neu-barocken Stuckdekoration dient heute dem Museum als Rezeption mitKasse, Informations- und Schriftenstand. Zwei Treppenläufe zu beidenSeiten des Vestibüls führen in das Obergeschoß mit seinen Ausstellungs-räumen und dem nach dem großen österreichischen Ethnographen undVolkskundler Michael Haberlandt benannten Festsaal, fünf Achsen tiefund drei Fensterachsen breit, mit ionischen Pilastern unter dem Hauptge-sims und bemerkenswertem Stuck im Mittelspiegel, zum Teil aus 1740;zwei Porträts, Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth, bezeichnetFranz Rusz, Wien 1859, über den seitlichen Kaminen sind eine Leihgabeder Österreichischen Galerie, Wien. Historischer Bestand ist auch derKleine Fest-( Jagd-) Saal mit drei Fensterachsen, barockem Stuckmedaillonmit Hirschjagd und weiteren dekorativen Teilen( Laub- und Bandlwerk),bezeichnet 1906, westlich an den Großen Saal anschließend.
Die übrigen Räume wurden unter Bewahrung der noch vorhandenenReste der alten Ausstattung den Erfordernissen des Museums angepaẞt.Erhalten sind zwei neobarocke polychrome Kachelöfen und ein blau gla-sierter Jugendstilofen.
Die Thematik des Ethnographischen Museums Schloß Kittsee und seinerSchausammlung ist der Darstellung der Volkskunde, der Völker und derVolkskulturen der Länder Ost- und Südosteuropas gewidmet. Eingangsbietet sich dem Besucher eine wissenschaftsgeschichtliche Dokumentationdar, die den Forscherpersönlichkeiten Michael Haberlandts und seinesSohnes Arthur Haberlandt als den Begründern und Wegbereitern derVolkskunde und der Europäischen Ethnologie in Österreich, die in derTerminologie des späten 19. Jahrhunderts als Ethnographie bezeichnetworden waren, gewidmet ist. Michael Haberlandt( geb. 29. September1860 in Ungarisch- Altenburg, gest. 14. Juni 1940 in Wien), als Sohn desGründers der landwirtschaftlichen Schule in Ungarisch- Altenburg FriedrichHaberlandt( geb. am 21. Februar 1826 in Preßburg, gest. am 1. Mai 1878in Wien), selbst im alten Oberungarn unweit von Kittsee beheimatet,ist der eigentliche Initiator der wissenschaftlichen Volkskunde in Öster-reich. Er hat gemeinsam mit Wilhelm Hein und Moritz Hoernes 1894 inWien den Verein für Volkskunde und in darauffolgenden Jahren auchdie Zeitschrift für österreichische Volkskunde und das ÖsterreichischeMuseum für Volkskunde als die tragenden Institutionen des Faches inÖsterreich geschaffen. Sein Sohn und Nachfolger als Museumsdirektorund Universitätslehrer Arthur Haberlandt( geb. am 9. März 1889 in Wien,gest. am 28. Mai 1964 in Wien) hat seine wissenschaftliche Arbeit insbe-sondere auf die Volkskunde Ost- und Südosteuropas ausgeweitet und