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Fritz Russ : Werkzeug - Transformationen
Entstehung
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Das museion-Begegnungsstätte vonKunst und Kultur

Kultur manifestiert sich in ihremursprünglichsten Sinn in den bäuerli-chen Arbeitsgeräten. Mit ihrer Hilfevermag der Bauer den Boden zukultivieren und damit menschlicheExistenz sichern.

Die Sammlung und Erforschungbäuerlichen Werkzeugs stand dahervon Anbeginn im Zentrum der Volks-kunde. Das Interesse galt der Wir-kungsweise der Geräte, ihrer Ent-wicklung und Systematik. Ihrerezente Verbreitung wurde ebensoerhoben wie ihr statistischer Nach-weis aus den Quellen. Hans Korens,, Pflug und Arl"( Salzburg 1950) giltdafür als Klassiker. LeopoldSchmidts ,, Gestaltheiligkeit imArbeitsmythos"( Wien 1952) erhobdie Erntegeräte in die Sphären desGlaubens, des Kultes und derMagie. Hier bedurfte es der Arbeitvon Ingeborg Weber- Kellermannüber den ,, Erntebrauch in der ländli-chen Arbeitswelt des 19. Jahrhun-derts"( Marburg 1965), um die allzukühnen Spekulationen wieder aufden Boden der Realität zurückzuho-len und die Erntebräuche wie diedabei in Verwendung stehendenGeräte als Indizien der jeweiligenwirtschaftlichen und sozialen Struk-tur zu analysieren. Aus der unüber-sichtlichen Fülle an Arbeiten zurGerätekunde sei nur noch dieMonographie von Edith Fél undTamás Hofer über die Geräte der

Átányer Bauern"( Kopenhagen 1974)erwähnt, denn sie führt uns nichtnur die Nachhaltigkeit im Umgangmit den Geräten, sondern auchderen Bindung an die Benützer vorAugen.

Demgegenüber blieben die Geräte-sammlungen in den Volkskunde-museen weithin ein Desideratum,über deren Rolle lange nicht nach-gedacht wurde. Durch die weit-gehende Beschränkung auf Werk-zeuge der vorindustriellen Zeit, wur-de ein Bild vermittelt, das keinesfallsder Wirklichkeit entsprach. Nichtunbeabsichtigt ließ man den Bauerndadurch als den Wahrer der traditio-nellen Kultur, als den Hüter der Hei-mat erscheinen. Das Museum ver-lieh den traditionellen Gerätenzudem die entsprechende Weiheund stilisierte sie zu Symbolen einervergangenen, heilen Arbeitswelt.Der Objektkünstler gleicht in seinerArbeitsweise über weite Streckendem Museologen. Er sammelt eben-falls nutzlos gewordene Dinge. Erbearbeitet sie, er bringt sie zueinan-der in Verbindung und er präsentiertsie schließlich in der Öffentlichkeit. Erverleiht den Dingen aber eine ande-re, eine neue Seinsweise. Seinkünstlerischer Anspruch enthebt dieDinge der Alltäglichkeit, verschafftihnen eine besondere Aura.Während die Dinge im Museum zuZeugnissen des kulturellen Erbes

werden, verwandelt sie der Künstlerzu Zeichen der Zeit. Während dieDinge im Museum dazu dienen, unsdie Augen für die vergangene Kulturzu öffnen, dienen die Kunstwerkedazu, uns die Gegenwart zu ent-schlüsseln. Die Kunst vermag dieDinge in ein neues Licht zu rücken,sie einer neuen Bewertung zu unter-ziehen. Sie hilft uns, die Vergangen-heit aufzuarbeiten und die Problemeunserer Zeit schärfer zu sehen. DieKunst darf im Museum daher nichtausgeschlossen bleiben. Das Muse-um hat zwar weiterhin als Archiv deskulturellen Erbes zu fungieren, esmuß aber gleichzeitig die künstleri-sche Auseinandersetzung mit derTradition in der Gegenwart ermögli-chen.

Es muß wieder zum museion wer-den. Denn das museion der Antikewar Begegnungsort der Künste undder Wissenschaften. In ihm trafensich Dichter, Schauspieler, Bild-hauer, Musiker, Mathematiker, Astro-nomen, Philosophen zu anregen-dem Gedankenaustausch und zurPräsentation ihrer Werke. In ihm wal-teten Kreativität und Toleranz.Mit der Ausstellung Werkzeug-Transformationen" des KärntnerKünstlers Fritz Russ hofft das Öster-reichische Museum für Volkskundediesem Anspruch gerecht zu wer-den.

Dr. Franz Grieshofer