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Der eiserne Faden : Rastelbinder und ihre Waren ; Drahtbinderarbeiten aus Europa ; Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 7. April bis 17. September 1995 ; [100 Jahre Verein und Museum Österreichisches Museum für Volkskunde, 1894/95 - 1994/95 ; Texte zur gleichnamigen Ausstellung]
Entstehung
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3. DER TISCH

Seit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts ist das Decken eines elegantenTisches beim vermögenden Bürgertum zur Gewohnheit geworden. Das Vor-handensein eines großen Speisezimmers, in dessen Mitte sich ein schwererTisch aus Edelholz mit entsprechenden Stühlen befand, war ein ausgespro-chenes Statussymbol.

In der Folge der industriellen Revolution gelangten neue, mit geringerenKosten hergestellte Produkte auf den Markt. Der auf neuen Konventionenberuhende Begriff des" art de vivre" erreichte nun auch andere Sozial-schichten. Das Streben nach einem gehobenen Gesellschaftsstatus führte inden Haushalten nicht zuletzt auch zur Anschaffung von komplettenTafelservices, auch wenn das Geschirr kaum gebraucht und nur selten ausdem Schrank genommen wurde.

Große Empfänge und offizielle Essen mit ihrer Vielfalt an aufgetragenenSpeisen erforderten vom Gastgeber und von den Gästen eine umständlicheVorbereitung. Letztere befragten geflissentlich Anstandsbücher, um ja keineEtikettenfehler zu begehen. Zu dieser Zeit war es in der Tat ein unver-zeihlicher Fehler, wenn man sich bloß im Gebrauch einer bestimmtenGabel irrte.

Das kostbare Geschirr wurde in mächtigen Buffets und Geschirrschränkenaufbewahrt. Der Haushalt füllte sich zunehmend mit allerlei Nippsachenund anderem Tand, welche man dazumal in den neuen Großkaufhäusernoder auf Auslandsreisen erworben hatte. Gegenstände aus Drahtgeflechtwaren ein nicht unwichtiger Bestandteil dieser aufs Sammeln bedachtenDekorationsmode. Als längst fabriksmäßig hergestellte Ware hatten Draht-flechtarbeiten von nun an ihren Platz im Haushalt: man faßte damit Kera-mikteller ein, fertigte daraus Speiseplatten mit Quastendekor oder phanta-