Druckschrift 
Nordamerikanische Volkskunst : Bilder aus dem Index of American Design
Entstehung
Wien [ca. 1955]
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VORWORT

Die alte Volkskultur der Vereinigten Staaten war bis vor kurzemein voellig unerschlossenes Gebiet. Im Gegensatz zu der reichen undgut fundierten Volkskunde in Europa kannte sich Amerika fast nur alsdas Land des ununterbrochenen Fortschrittes und der gewaltigen tech-nischen Zivilisation. Erst allmaehlich uebertrugen einige hervor-ragende Forscher den Begriff der Folklore, der Erforschung der muend-lichen Traditionen der Volkserzaehlung und des Volksglaubens, spaeterauch des Volksliedes nach englischem und skandinavischem Vorbild aufAmerika. Es entwickelten sich die einzelnen Gesellschaften fuer Volks-kunde, die durch ihre Zeitschriften zur Sammlung dieser Kulturgueterbeitrugen. Einige Universitaeten haben seit kurzem Lehrstuehle fuerVolkskunde und geben entsprechende Publikationsserien heraus. DieZeugnisse der materiellen Volkskultur und der Volkskunst wurden zu-naechst davon noch kaum beruehrt. Aber die europaeischen Museengaben das Vorbild auch fuer ihre Sammlung ab, und so beauftragte inden Krisenjahren vor dem zweiten Weltkrieg die National Gallery eineAnzahl von Kuenstlern mit der Herstellung moeglichst genauer Abbild-dungen von Gegenstaenden aus der fruehen Haus- und HandwerkskunstAmerikas, und erzielte damit einen vollen Erfolg. Die wichtigstenStuecke dieser grossen Sammlung wurden 1950 von Erwin Christensen ineinem schoenen Bildwerk publiziert, und seither kann man die Volks-kunst der einzelnen Einwanderergruppen von den Pennsylvania- Deutschenim Norden bis zu den Spaniern in New Mexico mit ihren Vorbildern inder alten Heimat vergleichen, und einerseits das Beharren bei denmitgebrachten Traditionen, anderseits die Entfaltung in der Kolonisten-sphaere genau studieren.

Aus dieser Sammlung des Index of American Design kann nun dashiesige Museum, das sich nach dem zweiten Weltkrieg insbesondere dieVerbindung der oesterreichischen Volkskunde mit der Forschung in derweiten Welt zum Ziel gesetzt hat, eine schoene Auswahl zeigen. DieMuseumsleitung hat seit Jahren auf die freundschaftlichen Beziehungenzu den amerikanischen Volkskundegesellschaften und den verwandtenMuseen in den Vereinigten Staaten grossen Wert gelegt, und steht auchmit allen wichtigen Einrichtungen in Schriftentauschverkehr. Allewichtigen Neuerscheinungen der letzten Jahre wurden angekauft und sowie in vielen anderen Faellen die Stellung unseres Museums als einesZentralinstitutes der volkskundlichen Forschung gewahrt. Nunmehrkoennen diese Neuerwerbungen auch der Oeffentlichkeit gezeigt werden,welche aus dem Nebeneinander von Bildern und Buechern verstehen soll,dass hier eine ganze Sammlungs- und Forschungsrichtung in Neugestaltungbegriffen ist. Aus dem Nebeneinander von Bildern amerikanischer Her-kunft und Gegenstaenden europaeischer, ja meist oesterreichischerProvenienz soll dagegen gezeigt werden, wie eng die Verbindungen inder Volkskultur hueben und drueben waren und sind. Die Patenschaftdes europaeischen 18. Jahrhunderts ist noch allerorts deutlich zuerkennen. In der Forschung finden sich nun manche Dinge nach langerTrennung wieder.

Die Direktion ist dem U.S. Information Service fuer die Bereit-stellung der Aquarelle aus dem Index of American Design zu besonderemDank verpflichtet. Insbesondere gebuehrt der Dank Frau Edith Paget,aber auch allen Mitarbeitern dieses Amtes. Am Museum haben sich alleBeamte und Angestellte in den Dienst der Ausstellung gestellt. Be-schriftung und Katalogverfassung sind Frl. Dr. Elfriede Rath zuverdanken.

Fuer die Direktion:

Univ. Prof. Dr. Leopold Schmidt