Wiege der dünnwandigen Glaskugeln, dennder Bau einer Gasanstalt und eines Gaslei-tungsnetzes 1867 ermöglichte die Heimar-beit an einer sehr heißen und regulierbarenFlamme. Große dünnwandige Kugeln lie-Ben sich nun massenweise herstellen.Einfache Kugeln, spitz zulaufende Oliven-formen, Baumspitzen, Eiszapfen und Glo-cken können frei geblasen werden. Für einefigurale Gestaltung wird ein erhitzter Glas-kolben in eine geschlossene Form gebla-sen. Für Reflex- oder Einstichkugeln wird indie ausgeblasene und nochmals erwärmteKugel ein Stöẞel eingedrückt. In der stern-förmigen Vertiefung, die weit in die Kugelhinein gearbeitet wird, spiegelt sich dasLicht der umliegenden Lichtquellen. Bis indie 1870er Jahre wurden die Glasstückemit einer hochgiftigen Mischung aus Zinnund Blei verspiegelt, danach kam das we-niger gesundheitsschädliche Silbernitrat inVerwendung. Lackiert, mit Gelatine- oderAnilinfarben auf der Außenseite bemalt,beglimmert oder mit einem Drahtge-spinst umwickelt erstrahlte der zarte Glas-schmuck im Kerzenlicht. Zierte Feen- oderEngelshaar den Christbaum, handelte essich um haarfeine gezogene gewellte Glas-fasern. Glatte Fäden wurden zu Glasseiden-rosetten und Vogelschwänzen verarbeitet.Ein weiteres Zentrum für weihnachtlichenBaumschmuck befand sich im böhmischenGablonz( Jablonec). Seit der zweiten Hälftedes 19. Jahrhunderts stellte man dort hohl-geblasene Perlen her. Auf Draht aufgezogenentstanden daraus kleine Schmuckstückewie Fahrräder, Autos, Schiffe, Flugzeuge,Insekten, Sterne oder Musikinstrumente.Mannigfaltig war der Einsatz sogenannter
leonischer Drähte. Es handelt sich dabeium feine gold- und silberfarbene Metall-fäden. Damit wurde Christbaumschmuckaus verschiedensten Materialien umwickeltund zum Glitzern gebracht. Es entstandendaraus auch Sterne und Girlanden. Endedes 19. Jahrhunderts kam Lametta alsChristbaumschmuck in Mode. Damit diesesilberglänzenden Metallstreifen an den Äs-ten der Christbäume wie Eiszapfen hingen,war das zu Beginn verwendete Stanniolla-metta mit einem umweltschädlichen Blei-kern versehen.
Licht für den Christbaum
Anfänglich brachten Kerzen aus teuremBienenwachs die Christbäume der aristo-kratischen und bürgerlichen Oberschichtzum Leuchten. Allgemein waren mit Rin-dertalg gefüllte Nussschalen oder kleineÖllichter bis zur Erfindung erschwingli-cher Kerzen aus Stearin oder Paraffin inder ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts inVerwendung. Pendelhalter mit Gewich-ten und Klemmhalter aus Metall erleichter-ten nach 1870 die Befestigung der Kerzenan den Zweigen. Von Amerika ausgehendkam die künstliche Beleuchtung zuerstim öffentlichen Raum zum Einsatz. Nachder Jahrhundertwende waren kompletteGarnituren für elektrische Christbaumbe-leuchtung erhältlich, wie ein Artikel in derWiener Zeitung aus dem Jahre 1903 belegt.Die Glühbirnen dafür wurden in Form vonFiguren, Früchten und Tieren erzeugt.
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