Abends. In den katholischen Gebietenblieb die Weihnachtskrippe noch langewichtigstes Element der Weihnachtsfeier.Allmählich setzten sich aber auch im länd-lich- bäuerlichen Raum im Laufe des 20.Jahrhunderts die geschmückten Bäumedurch.
Nicht nur ein Tannenbaum
Als Christbäume fanden Tannen und Fichtengleichermaßen Verwendung. Da die einhei-mischen Fichten in warmen Räumen schnel-ler ihre Nadeln verlieren, haben sie heutean Bedeutung verloren. Viele der erhaltengebliebenen Christbaumständer und Glas-spitzen lassen erkennen, dass sie für zartereBäumchen angefertigt worden waren. Die-se fielen beim Durchforsten der Wälder an.Im Gemälde ,, Christtagmorgen" hielt GeorgWaldmüller 1844 ein- für heutige Verhält-nisse- karges Weihnachtsbäumchen mitwenig Schmuck und ein paar kleinen Kerzenin der Höldrichsmühle in der Hinterbrühlbei Mödling fest. Nicht jede Familie konn-te sich überhaupt ein Bäumchen leisten.Künstliche Christbäume waren durch denersten Weltkrieg überall bekannt geworden.Die Bäumchen im Miniaturformat wurden inFeldpostpaketen an die Front versandt. An-fänglich erzeugte man sie aus gespleiẞtenFedern und Papier, später aus Kunststoff.
Womit geschmückt wurdeRauschgoldengel aus hauchdünnen Mes-singfolien, teures Konfekt, gemodeltesGebäck, Bienenwachskerzen und kleineGeschenke fanden zwischen den Zweigenihren Platz. Äpfel und Nüsse wurden vergol-det. Ab 1850 stellte man Figürchen, Früchte,
Tiere und dergleichen mit kleinen Wickel-maschinen aus Zellstoff her oder formte sieaus Papiermaché. Zinnschmuck funkelteim Kerzenschein. Durch die Mechanisierungdes Zuckerrübenanbaus konnten gemodel-te und bemalte Tragantfiguren preiswer-ter hergestellt werden. Trangant ist einegut formbare, marzipanähnliche Masse ausZucker und dem gummiartigen Pflanzen-saft des Bocksdorns. Das Angebot wuchsmit der Nachfrage. Zwischen 1875 und 1920kamen gewickelte Wattefiguren mit Köpf-chen aus Porzellan oder Papieroblaten ausder Thüringer Hausindustrie in Mode. Ge-gen Ende des 19. Jahrhunderts waren Figu-ren aus der sogenannten Dresdner Pappeein erschwinglicher Luxus geworden. Großwar die Auswahl, der aus feinem geprägtemKarton hergestellten Tierfiguren und alltäg-lichen Gegenständen, wie Ballone, Schif-fe, Kutschen oder Musikinstrumente. Dochnicht jeder konnte sich selbst diesen preis-werteren Schmuck leisten, sondern muss-te sich mit dem begnügen, was vorrätig waroder selbst hergestellt werden konnte.Sogar Äpfel und Nüsse waren keine Selbst-verständlichkeit. Daran wird ersichtlich,dass der Schmuck des Baumes sowohl vomGeldbeutel als auch vom jeweiligen Zeitge-schmack abhängig war. Üppig, einfarbig,mit Strohsternen: Ein Christbaum ist vorModetrends nicht gefeit.
Glänzender Glasschmuckerobert die Märkte
Bunte Trauben, Nüsse, Eier und Kugeln ausdickwandigem Glas verzierten in der Bie-dermeierzeit die Christbäume der feinenGesellschaft. Lauscha in Thüringen gilt als