Druckschrift 
Baumschmuck : Zierde für die dunkle Jahreszeit ; 17.11.2020 bis 31.1.2021
Entstehung
Wien [2020]
Einzelbild herunterladen
 
  

weihnachtlichen Geschenke waren Aus-druck der Liebe zu den Kindern, gleichzei-tig Ermahnung zum Wohlverhalten. Dasverhalf der Spielzeugindustrie zu ihrer ers-ten Blütezeit und in begüterten Familien zueiner Gabenfülle unter dem Christbaum.Nicht vergessen werden darf in diesemZusammenhang, dass in der meist hau-sindustriellen Produktion dieses Kinder-spielzeugs und des ChristbaumschmucksKinder in den Betrieben mitarbeiten muss-ten und das Hergestellte selbst nicht be-nutzen durften.

Erwachsene beschenkten sichvorerst zum Jahreswechsel. Dienstbotenbekamen ihren Lohn und Naturalgabenebenfalls an diesem Termin. Dabei ist zubeachten, dass der Neujahrstag in unseremSprachraum lange Zeit der 25. Dezemberwar. Durch die Nähe zum Weihnachtsfestwurden diese Gaben und Geschenke oftfälschlich als Weihnachtsgeschenke in-terpretiert. Erst seit 1691 ist der 1. Jännerverbindlich der erste Tag des Jahres.

Wie ein Blick

in die Zukunft möglich war

Vor allem im bäuerlichen Bereich ruhtenim Winter viele Arbeiten. In der Advent-zeit wurden die langen finsteren Nächte beispärlicher Beleuchtung gerne zum Wahr-sagen genutzt. Ein Beispiel sind die amFesttag der Hl. Barbara( 4. Dezember) ge-schnittenen Zweige von Obstbäumenund Ziersträuchern. Diese sollten in derWärme des Hauses bis Weihnachten er-blühen. Neben ihrer Funktion als Raum-schmuck, konnten ihnen dann vermeintlichAntworten auf zukünftige Ereignisse im

Liebesleben, die kommende Ernte oder

den neuen Dienstherrn entlockt werden.

Wann der Christbaum

in die Häuser kam

Die Entstehungsgeschichte des Christbaums,also eines geschmückten Baums im Innerendes Hauses, liegt im Dunkel. Früheste Belegefinden sich in den Chroniken deutscher Zünf-te. Die darin erwähnten Tannenbäume wa-ren mit Äpfeln, Nüssen, Papierblumen unddergleichen behangen und durften von denKindern geplündert" werden. Beleuchtungtrugen diese Bäumchen noch nicht. Protes-tantische Familien übernahmen diese Sitteallmählich in ihre Häuser, die sich im 17. und18. Jahrhundert an den Höfen der Aristokra-tie und im wohlhabenden Bürgertum baldvon Stadt zu Stadt verbreitete. In Straßburgkam Johann Wolfgang von Goethe mit derTradition des Christbaums in Berührung.In seinem 1774 erschienenen Briefroman,, Die Leiden des jungen Werther" fand einaufgeputzter und mit Wachslichtern verse-hener Baum frühe literarische Erwähnung.Zu Beginn des 19. Jahrhunderts findet sichin behördlichen Verboten zum Schutze derForstkultur die Gewohnheit dokumentiert,Kindern zu Weihnachten Christbäume auf-zustellen. Erzherzog Johann schildert ineinem Tagebucheintrag 1816 den lichter-geschmückten Christbaum am Hofe seinerSchwägerin Erzherzogin Henriette vonNassau- Weilburg. Sie brachte den Brauchaus ihrem evangelischen Elternhaus mit.Als Symbol der nun vorherrschendenKleinfamilie wurde der geschmückte undbeleuchtete Christbaum erst im 19. Jahr-hundert zum Mittelpunkt des Heiligen