BAUMSCHMUCK
Zierde für die dunkle Jahreszeit
„ Er redete von dem Vergnügen, das die klei-nen haben würden, und von den Zeiten, daeinen die unerwartete Öffnung der Tür unddie Erscheinung eines aufgeputzten Baumesmit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln inparadiesische Entzückung setzte."
Aus: Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden desjungen Werther( 1744).
Wie alles begann
Seit der Einführung eines Festtermins zu Eh-ren der Geburt Christi im christlichen Kir-chenjahr unterliegen die Adventzeit und dasWeihnachtsfest einem steten Wandel. Ge-müsesuppe und Fisch am Weihnachtsabendsind Überbleibsel der, ursprünglich einmalsogar vierzigtägigen Fastenzeit, die mit demNachtgottesdienst am Heiligen Abend en-det. Durch diese Vorbereitungszeit soll für diechristlichen Gläubigen die Wichtigkeit desWeihnachtsfestes- ähnlich der österlichenFastenzeit- hervorgehoben werden. An all-gemeiner Bedeutung verloren haben auchdie morgendlichen, noch vor Sonnenaufganggefeierten Roratemessen zu Ehren Mariensoder die Gebete der Weihnachtsnovene, diean neun Tagen auf die Feier der Geburt Chris-ti einstimmten. Dabei war Weihnachten langeZeit ein Fest, das ausschließlich in der Kirche,also in der Liturgie des Gottesdienstes, gefei-ert wurde. Höhepunkt war die gemeinsameChristmette in der Kirche. Ein Wandel setzteein, als das Bürgertum im Biedermeier seinPrivat- und Familienleben kultivierte und die
häusliche Geselligkeit innerhalb der Familiezu pflegen begann. Verbote von öffentlichenUmzügen und dem Aufstellen von Krippen inden Kirchen durch die Obrigkeit führten im-mer mehr dazu, dass sich die Feierlichkeitenins private Umfeld verlagerten. Bedingt durchdie industrielle Revolution und neue Arbeits-formen entwickelte sich im 19. Jahrhundertim städtischen Raum die Kleinfamilie zur vor-herrschenden Familienform, in der man ge-meinsam feierte. Es waren also mehrereFaktoren, die das Weihnachtsfest zu einemfamiliären Bescherfest mit geschmücktemBaum werden ließen.
Wer beschenkt wurde
Seit dem ausklingenden Mittelalter war esüblich, Kindern am 6. Dezember heimlichGeschenke- Leckereien und Spielzeug- imNamen des Hl. Nikolaus in den Häusern ein-zulegen. Durch die Ablehnung der Heiligen-verehrung verlagerte sich in den meistenprotestantischen Gebieten die Bescherungvom Nikolaustag auf das Weihnachtsfest.Seit Beginn der Reformation entwickeltensich in diesen Gebieten schon vereinzeltprivate Festformen. Mit der Verlagerungauf häusliche Feierlichkeiten ging aucheine Veränderung der Sichtweise auf dieKindheit und die Kindererziehung einher.Kinder wurden nicht länger als kleine Er-wachsene gesehen, sondern sollten durchmehr Aufmerksamkeit, Spielzeug und di-daktische Lehrmittel gefördert werden. Die