wozu noch der Filz für den Hut kam, verwendete die Frauenklei-dung seit langem den Flachs zur Leinwanderzeugung, undLeinen war und blieb einer der wichtigsten Grundstoffe, für dieWäsche wie für die Oberbekleidung. Ein Teil des Leinens konnteaus dem eigenen Flachsbau gewonnen werden, ein nicht un-beträchtlicher Teil wurde auch selbst gesponnen. Darauf sollenTextilgeräte wie Spinnrad oder Bänderwebstuhl hinweisen. Auchdas Aufbereiten und Waschen dieser Stücke war die längsteZeit Hausarbeit, die sich zu den Jahres- und Lebensfesten un-geheuer steigern konnte. Daher hier auch Wäschegeräte wieWäscheklopfhölzer und Mangelbretter, also Geräte zum Glättender Wäsche in der Zeit vor dem Vordringen des Bügeleisens.
Die scharfe Trennung zwischen männlicher und weiblicherBekleidung ist bei den Bekleidungsgewohnheiten deutlich sicht-bar. Zu den typischen weiblichen Kopfverhüllungen, den Kopf-tüchern und Hauben, sind aber immer auch Ausgriffe auf den ansich typisch männlichen Hut getreten. In Fällen, wie einen dasBild der Kremsmünsterer„ Kropfnandl" bezeugt, wird der Hutsogar über der Haube aufgesetzt. Immer haben sich auch schonZüge der Steigerung der Persönlichkeit durch besondere Trach-tenstücke ergeben. Das Herausheben der bürgerlichen Frauendurch die an sich der Renaissance entstammenden harten Draht-hauben ist dafür bemerkenswert. Aber auch die Betonung einerangesehenen Männerwelt durch prunkvolle Gürtel gehört hier-her: Fuhrleute und Wirte, aber auch Bauern und Vertreter ver-schiedener Zünfte haben zwischen dem 17. und dem späten19. Jahrhundert gern Ledergürtel von einer Breite, von einerAuszier und einer Gewichtigkeit getragen, von der die TirolerGürtel aus der Zeit Andreas Hofers nur ein Beispiel darstellen.Als Geldkatzen" waren sie ebenso wichtig wie als eine Art vonPanzerung des Unterleibes gegen einen plötzlichen Messerstich,mit dem ein Wegelagerer etwa den einsamen Fuhrmann aufnächtlicher Straße bedrohte.
Diese heute auffällig erscheinenden Stücke, von denen esaber in den Blütezeiten der Volkstracht jeweils Hunderte, jaTausende gegeben hat, sind nicht nur durch ihre Gewichtigkeit