Spätgotik, auf den Arbeiten des späten 15. und frühen 16. Jahr-hunderts. Diese Epoche der vielfarbigen Heiligenverehrung istbis in die letzten Details der Überlieferung volksfromm gewesen,mit Bewahrung alter Leitlinien wie mit begeisterter Neuauf-nahme speziell geformter Motive. Da zeigt sich neben derMarienverehrung die Vielfalt des Heiligenkultes, und danebenmit großer Deutlichkeit die wiedererweckter Christus- Devotion.Zeugnisse hergebrachten Christus- Brauches wie der Palmeselstehen neben zeitbedingten Sonderformen wie dem Schmerzens-mann, der„, imago pietatis". Und fast für jedes dieser Motivehätte die Sammlung noch ein Zweitstück stellen können, so reichsind sie selbst in dieser ungeplanten Kollektion vertreten.
Der ganze Bestand an gotischen Holzplastiken ist seit Jahr-zehnten stabil geblieben, er ist nach den Zwanzigerjahren wedervermehrt noch vermindert worden. Die Aufgaben des Museumsauf den Hauptgebieten der volkskundlichen Sammlung sind sogroß, daß weitere Erwerbungen über den Zufall der Schenkunghinaus nicht mehr vorgenommen wurden, und auch nicht mehrvorgenommen werden sollen. Dementsprechend ist dieser Bestandauch wenig gepflegt worden. Obwohl manche Figuren auch kunst-wissenschaftlich bedeutsam erscheinen, ist für ihre Erhaltung fastnichts getan worden. Dementsprechend darf es hier bedankt undbegrüßt werden, daß die Restaurierungswerkstätte des Bundes-denkmalamtes eine Anzahl von Plastiken für diese Ausstellungwiederhergestellt hat. Dem Leiter der RestaurierungswerkstätteHerrn Staatskonservator Dr. Josef Zykan und seinen Mitarbei-tern gebührt dafür der herzlichste Dank. Gleichfalls dankver-pflichtet ist die Museumsdirektion der Leitung der Wiener Fest-wochen, welche die Ausstellung und ihren Katalog subventionierthat.
Leopold Schmidt
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เค