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Aus Böhmens Hain und Flur : [Volkskultur aus Böhmen und Mähren. Eine Ausstellung des Nationalmuseums Prag]
Entstehung
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stickt oder Zwecken beschlagen wa-ren, Taschen, Zaumzeug usw., verfer-tigten geschickte Landbewohnerselbst, häufig wandte man sich jedochan die Handwerker, die Riemen,Zaumzeug oder Lederschuhe erzeug-ten.

Die Kreativität der Dorfbewohner äu-Berte sich mehr bei den Flechtarbeitenaus natürlichem Material, die tech-nisch leichter herzustellen waren undfür die es gar keine zünftige Produktiongab. Aus den langen Strohhalmenflocht man Strohschüsseln für denBrotteig, aber auch Vorratsgefäße,Körbe, Bienenstöcke usw. Das zweitestark verbreitete Rohmaterial warenWeidenruten, aus denen die verschie-densten Körbe geflochten wurden.Körbe machte man auch aus Flecht-schienen von gespaltenen Baumwur-zeln und anderen Randmaterialien,Matten und Taschen aus Rohrkolbenund im 19. Jahrhundert sporadisch

auch aus dürren Maisblättern.

Weitere Materialien, die auf demLand benutzt wurden, sind Metall,keramischer Ton, später Glas. Allediese Objekte gehören in den Bereichder Volkskultur, auch wenn ihre Her-steller nicht die Benützer selbst waren,sondern Spezialisten. Über den Ver-kauf verschiedener Erzeugnisse an dieLandbewohner haben wir schriftlicheBelege, in Böhmen sogar aus vorhus-sitischer Zeit. Für die Städte und dienichtlandwirtschaftliche Produktionmußte zum Teil der ländliche Marktsorgen. Einen Teil des Einkommenskassierten Staat und Herrschaft inForm von Steuern. Ein solches Systemkonnte jedoch keinen Markthandelaufkommen lassen. Die Bauern kauf-ten auf dem Markt nur, was sie selbst

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nicht herstellen konnten. So drangenin die ländliche Sphäre dauernd dieverschiedensten Produkte ein undwurden zu einem integrativen Be-standteil der ländlichen Kultur. Nichtnur wegen ihrer Geltung in diesem Mi-lieu, sondern vor allem, weil sie sich imRahmen der Volkskultur weiterentwik-kelten. Die Bauern ihrerseits beeinfluß-ten die Produktion, indem sie z. B. einebestimmte Form oder ein bestimmtesDekor bestellten, wie aus konkretenFällen der jüngeren Vergangenheit be-kannt ist. Der Produzent mußte, wollteer seine Ware auf den Märkten verkau-fen, Zugeständnisse an die Wünscheseiner Kunden, also der Bauern ma-chen. So ist es nicht in erster Linie dastechnische Niveau verschiedenerSchmiede-, Töpferei- und Glaspro-dukte, sondern Gestaltung, Form, De-kor und Funktion, die sie zu Elementender Volkskultur machen. Nur durch dieAkzeptanz der Rezeptionstheorie, dieals volkstümlich auch das betrachtet,was nach den Normen volkstümlichenLebens geschieht, kann die materielleund natürlich auch die geistige Sphäreder Volkskultur erfaßt werden.

Erzeugnisse aus Eisen waren in ersterLinie mit Landwirtschaft und Holzver-arbeitung verbunden. Eisen war ziem-lich kostspielig; die Landbevölkerung

Klatscher Tasche aus Rohrkolbenmit Lederapplikation Mähren An-

fang des 19. JahrhundertsDiese Behälter aus Stroh oder Rohr-kolben in zylindrischer Form undeinem auf dem gebogenen Henkel ver-schiebbaren Deckel dienten ursprüng-lich als Behälter für Wein- oderSchnapsflaschen.