kreise wie auch der größeren Öffentlichkeit für diesen gewaltigen,aber unter den gegenwärtigen Umständen leider nicht museums-mäßig vorzuweisenden Bestand wacherhalten sollen. Für dieganze Abteilung wäre ein eigenes Gebäude erforderlich, daseinen sehr respektablen Einblick in die hier gesammelte Volks-kunst Ost- und Südosteuropas geben würde. Hier nur ein Hin-weis: Als Helmuth Th. Bossert in seiner„ Volkskunst inEuropa"( 1926) ein gültiges optisches Bild der Volkskunst derHuzulen geben wollte, brauchte er kein auswärtiges Museum zubemühen; alle Abbildungen der betreffenden Farbtafel( Nr. CXVI)stammen aus unserem Museum.
Und einige Objekte, die damals für die Volkskunstforschungschon so wichtig waren, werden nun auch in der gegenwärtigenAusstellung gezeigt, weil sie eben nicht nur Gegenstände derVolkskunst, sondern ihrer Thematik wie ihrer Funktion nachObjekte sind, welche dem religiösen Brauch und Glauben imostkirchlichen Bereich angehören. Wir sehen heute derartigeGegenstände nicht mehr nur nach ihren mehr oder minder er-kennbaren volkskünstlerisch- ästhetischen Werten, wir haben diegeistig- religiösen Zusammenhänge dieser Objekte als ihrewesentlichen Formanten erfaßt. Was für die religiöse Volkskunstim katholischen Bereich längst selbstverständlich geworden ist,muß auch für den ostkirchlichen Raum gefordert werden. Dafürwie für manche andere Dinge hat uns ja die moderne Wallfahrts-forschung die Augen geöffnet, welche die volkskünstlerischenObjekte wieder in ihrer funktionellen Beziehung gefunden hat.Nicht zuletzt deshalb hat sich die Museumsleitung bemüht, daswichtigste deutschsprachige Werk der letzten Jahre auf diesemGebiet, die„ Peregrinatio neohellenika" von Rudolf und HubertKriss im Rahmen der Museums- Publikationen Veröffentli-chungen Bd. VI) 1955 erscheinen zu lassen.
Im Verfolg dieser Bestrebungen sind nun also die Beständezur Volkskunst des ostkirchlichen Bereiches in unserem Museumhier neu geordnet und bestimmt, restauriert und ausgestellt wor-den. Obwohl sie zahlenmäßig nicht sehr bedeutend und sicherlichauch qualitativ ganz unterschiedlich sind, geben sie doch zusammenein gewisses Bild des Volkskulturraumes, dem sie entstammen,und nicht minder ein Bild der musealen Bemühungen darum. DerDank der Museumsleitung für die Förderung der daran gewende-ten Arbeit gilt dem Bundesministerium für Unterricht, das auchdas Erscheinen des vorliegenden Kataloges unterstützt hat.
Leopold Schmidt
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