VORWORT
Das Gebiet der vom Glaubensleben und vom Bildungswesender Ostkirche inspirierten Volkskunst Mittelost- und Südost-europas scheint zunächst dem Aufgabenbereich des Österreichi-schen Museums für Volkskunde fernzuliegen. Bei weitem dieHauptmasse aller religiös angeregten Volkskunst, die sich ineinem mitteleuropäischen Volkskundemuseum ansammeln
konnte, entstammt selbstverständlich den Bereichen der römisch-katholischen Kirche, und für ihre Erforschung sind auch von seitender ikonographischen und legendengeschichtlichen Hilfswissen-schaften unseres Faches die meisten Vorarbeiten geleistet worden.Wir haben uns in den letzten anderthalb Jahrzehnten in mehrerenAusstellungen, besonders bei den„ Marianischen Wallfahrten inÖsterreich( 1954) und den„ Votivbildern aus Österreich"( 1959)darauf stützen können.
Das Museum hat aber seiner Geschichte, seinem sammlungs-mäßigen Werdegang nach in der Zeit der ehemaligen Donau-monarchie auch auf Gebiete mit orthodoxer Bevölkerung ausge-griffen. Da es seiner ersten Zielsetzung nach als ein Museum derVolkskulturen der cisleithanischen Reichshälfte sammelte, konntees zwar in der eigentlichen Osthälfte des Reiches nicht arbeiten,wohl aber in jenen Gebieten, die trotz ihrer von Wien aus ge-sehen fernen Nordostlage eben zu Cisleithanien gerechnet wur-den, vor allem in Galizien und in der Bukowina. Diese politischsogar besonders pfleglich bedachten Landesteile befanden sicherst seit 1772, beziehungsweise 1775 bei Österreich, ihre Bewohnerwaren damit auch in das Blickfeld der westlichen Wissenschaftgetreten. Schon die Frühzeit der österreichischen Volkskundeinteressierte sich für sie, wie vor allem die Veröffentlichungendes Professors für Statistik in Lemberg, Joseph Rohrer, er-weisen, der schon 1804 seinen„ Versuch über die slawischen Be-wohner der österreichischen Monarchie" und 1806 seine„ Bemer-kungen auf einer Reise von der türkischen Gränze über die Buko-wina nach Wien" erscheinen ließ. Ein Jahrhundert später warendie Bemühungen um die Volkskunde von Galizien und der Buko-wina von ihren eigenen Zentren Krakau und Czernowitz invollem Gang, wie vor allem die Gründung der Arbeitsausschüsse
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