Am Anfang steht ein sozialer Prozess
Ein kleiner Plastik- Dinosaurier, eine Tafel Schokolade, eine Flasche mitFlüssigseife, Bettwäsche, ein Glas Wasser und zahlreiche Dokumente-solche Objekte finden sich im Alltag, aber nur selten in Museums-vitrinen. Die Ausstellung Am Anfang war ich sehr verliebt... 40 JahreWiener Frauenhäuser ist kein alltägliches Projekt.
Grundlage der Ausstellungsgestaltung war die enge Zusammenarbeitmit den Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser: Eine Ausstellungsarbeitals sozialer Prozess zur Geschichte einer widerständigen und stetsprekären Infrastruktur. Darüber hinaus galt es, die Erlebnisse derFrauen vorzustellen, ohne diese selbst vorzuführen oder ihre Privat-sphäre zu verletzen.
Neben nachgesprochenen Interviews und handschriftlichen Zitatenin nüchterner Architektur kommen auch drei Raumbilder zum Einsatz,die den chronologisch- geographischen Ablauf im Erleben der Frauenerfahrbar machen.
Die Ausstellungsarchitektur besteht größtenteils aus wiederverwen-deten Materialien. Die einzelnen Bauelemente sind in sich verschobenund verrückt, sind scheinbar aus dem Gleichgewicht geraten, gleichden Leben jener Frauen, die hier Hilfe in Anspruch nehmen müssen.Sie sind aber auch Bestandteil von etwas Neuem, sind neu zusammen-gesetzt und zeigen darin die Möglichkeiten weiterer Anfänge auf.Grundlegend für diese Ausstellung ist eine gestalterische Arbeit,die auf enger Zusammenarbeit mit Menschen beruht, die selbst nichtaus dem Ausstellungsbereich kommen, sondern direkt aus der Arbeitund dem Aktivismus für Frauen in besonders bedrohten Situationen.Die Ausstellungsgestaltung sieht sich gleichzeitig als Ausdruck derVerantwortlichkeit und des gesellschaftspolitischen Aufbegehrens-davon zeugt auch die Fahne, die die grundlegende Botschaft vomMuseumsbalkon in den öffentlichen Raum trägt: Keine Gewaltgegen Frauen!
Fritz v. Sunderhaar zur Ausstellungsarchitektur von koerdutech( Irina Koerdt und Sanja Utech)für die Ausstellung„ Am Anfang war ich sehr verliebt. 40 Jahre Wiener Frauenhäuser"