Nutze Dein Museum
Das Volkskundemuseum Wien gilt wohl als ein kleinerer Player in derWiener Museumsumgebung. Hinter seinem fast lieblichen Ambienteverbirgt sich aber eine Sammlung mit über 200.000 Objekten zuhistorischer Alltagskultur und Volkskunst aus weiten Teilen Europas.Sie sind das Ergebnis einer volkskundlichen Sammlungstätigkeit, diesich ab 1895, mit der Gründung des Museums, entwickelt hat.Wenn im Frühling 2018 sogenannte Liebesgaben in der Passage desMuseums zu sehen sind, dann ist das ein Blick auf historische undidyllisierende Relikte der Geschlechterbeziehungen. Es ist eines vonvielen Themen, die in den gesellschaftskritischen Kulturwissenschaftenbearbeitet und hinterfragt werden.
In der rezenten Perspektive auf die historischen Sammlungen verstehtsich dieses Museum als politischer Ort, als Ort der Verhandlung vongesellschaftlichen Prozessen.
Die Genese der Frauenhäuser ist ein gesellschaftlicher und damitpolitischer Prozess per se und so ein herausforderndes kulturwis-senschaftliches Forschungsfeld, das in 14 Monaten von einem Teamrund um Anne Wanner und Andrea Brem erstmals umfassend füreine Ausstellung aufgearbeitet wurde. Eine Empirie in einer Sphäreindividueller prekärer Schicksale ist für sich alleine eine große Aufgabe.Zudem haben sich beide Institutionen- der Verein Frauenhäuser Wienund das Volkskundemuseum Wien- auf einen gemeinsamen Lern- undVerständnisprozess während der Ausstellungsproduktion eingelassen,der durchaus spannend, kontrovers und vor allem produktiv war.Das Ergebnis- die Ausstellung- spricht für sich. Das Ziel der Aus-stellung ist schlicht, kursierende Klischees über die Frauenhausarbeitim Kopf der Menschen zu verschieben und die entsprechende Aufmerk-samkeit für gesellschaftliches Handeln zu schaffen. Vielen Dank andas Team, die FördergeberInnen und Unterstützerlnnen sowie anRotary/ Wien- Stephansplatz für die Unterstützung zur Realisierungdieses Begleitbuches.
Matthias Beitl
Direktor Volkskundemuseum Wien
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