Landschafts-, Tier- oder Blumenmalern. Imsogenannten Umdruckverfahren übertrugman die Motive mit dem Umdruckpapier,einem speziell beschichteten Papier, aufdie Keramik.
Der Transfer auf das Werkstück funk-tioniert ähnlich wie ein Abziehbild. Dasangefeuchtete Papier wird auf den leder-harten Ton aufgelegt und angedrückt. Manlässt das Papier etwas antrocknen undzieht es dann ab- das Motiv ist auf dieKeramik übertragen. Am Ende folgte derDekorbrand bei einer niedrigen Temperaturim Muffelofen.
Manche Motive finden sich auf meh-reren Deckeln, sie unterscheiden sich bei-spielsweise durch einen andersfarbigenHintergrund. Um eine gedruckte Darstel-lung auf einem Porzellandeckel lebendi-ger aussehen zu lassen, wurde das Bild voneinem Porzellanmaler mit einem Pinselhändisch koloriert. Porzellanmaler arbeite-ten entweder in der Porzellanfabrik selbstoder in einer Porzellanmalerfirma, wie sieab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstan-den. Diese selbstständigen Betriebe kauf-ten ein gewisses Kontingent an Weißwareaus einer Porzellanfabrik und verkauftendas bemalte Porzellan an Porzellanhändlersowie an Privatpersonen.
Auch eine Fotografie konnte imFotoumdruck auf das Porzellanmedaillonübertragen werden.
Verbreitung
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs warengedeckelte Bierkrüge noch verbreitet, wasdie große Anzahl an überlieferten Medail-lons in der Museumssammlung belegt.Darauf befindliche Landschafts- und Stadt-ansichten geben ein wenig Einblick in das
Verbreitungsgebiet generell. Dargestelltsind Orte, Städte, Gebäude und Denkmälerim Land Salzburg- von Bad Gastein bisStadt Salzburg, im Salzkammergut, imoberösterreichischen Seengebiet- Traun-kirchen, Gmunden- über Lambach, Linzund Steyr bis nach Laxenburg bei Wien alsdem am weitesten im Osten befindlichenOrt in Österreich. Etwas zahlreicher zufinden sind Motive aus Bayern wie Mün-chen, Füssen, Burg Hohenschwangau, dieWalhalla und weiter Richtung Norden vonFriedrichroda in Thüringen bis nach Leisnigin Sachsen.
Motive
In Bayern war das Wirtshaus zu jener Zeitein von Männern dominierter Ort. Frauenwaren als Kellnerinnen oder Wirtinnenakzeptiert, kaum als Tischnachbarin inBier trinkenden Männerrunden. Die Szenenauf den Deckeln richten sich nach demGeschmack und der Vorstellungswelt vonMännern. Scherzhafte Darstellungen vonerfolglosen Jägern, Fischern und betrunke-nen Männern geben Einblick in die Erleb-niswelt von Männern. Darstellungen vonFrauen in verschiedenen Szenen zeigen,was den Biertrinker beschäftigte. In denanonymen Frauenporträts wird die Frauauf Äußerlichkeiten reduziert, eine elegantgekleidete Bürgersfrau mit besondererHaartracht und schönem Halsschmuckoder eine junge Frau, frisiert nach derSisi- Mode. Erotik wird durch ein tiefesDekolleté oder einen hochgezogenen Da-menrock ausgedrückt. Zur Steigerung einererotischen Szene nützte man beide Seitendes Deckels: die äußere Seite zeigt dieFrau( en) verhüllt, die innere Seite freizügig.Die drei Grazien sind auf einer Deckelseite