Die große Herausforderung bei dieser Gestaltungsaufgabe bestanddarin, die in unbearbeitetem Zustand ästhetisch sperrigen Mate-rialien- vorrangig Gesetzestexte, Dokumente und Interviews- zurGeschichte von Raub, Provenienz und Restitution lesbar darzustellensowie diese visuell und auch szenografisch so weit aufzuwerten,dass sie nicht nur diskursive Fußnoten zur Sammlung Mautner sind,sondern dass ihnen angesichts der enormen Vielzahl und Vielfaltdes über 500 Objekte umfassenden Gesamtbestandes eine gleich-wertige Präsenz und Bedeutung in der Ausstellung zugewiesenwird.
Die große Anzahl an auszustellenden Objekten erforderte dieSchaffung zusätzlicher Hängeflächen durch Einbauten- insbeson-dere vor den vielen Fenstern- sowie zusätzlicher Stellflächen durcheigens entworfenes und angefertigtes Mobiliar. Erschwerend dabeiwar, dass die Wände im Obergeschoss des Volkskundemuseumsdurch viele Tür- und Fensteröffnungen perforiert sind und die wenigenverbleibenden Flächen durch uraltes Mauerwerk und abbröckelndenPutz kaum für eine direkte Wandmontage geeignet sind. Um dieKosten für Einbauten niedrig zu halten, wurde Material aus der voran-gegangenen Ausstellung recycelt und fast ausschließlich mit bereitsbestehenden Glashauben gearbeitet.
Bezüglich der Materialität und der Details des Mobiliars wurdeeine ausgewogene Balance zwischen strenger Abstraktion undemotionalen Zitaten aus der bäuerlich konnotierten Lebenswelt, dieKonrad und Anna Mautner so geschätzt haben, angestrebt: KubischeSockel und glatte Wände, die den Exponaten eine ruhige Präsenta-tionsfläche bieten, sitzen nicht am Boden auf, sondern werden durchBeine aus hellen Dreischichtplatten, deren Gestaltung rustikalenBauerntischen entlehnt ist, angehoben, Oberflächen teilweise in un-behandeltem braunem MDF gehalten, mitunter aber auch großflächigmit farbigen Leinenstoffen versehen.
Es erschien uns notwendig, die unterschiedlich großen Räumemit der Vielfalt an Einbauten und Möbel durch das strenge und großeFormat der Kapiteltexte zu strukturieren, um die Themengruppenbesser zu kennzeichnen. Diese sind nie direkt an den Wänden, son-dern mit Abstand davor gehängt und bei Bedarf auch freistehend wieWegweiser mitten im Raum aufgestellt. Die Materialwahl des visuellen
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