Anlässlich des Kaiserhuldigungs-festzugs, abgehalten 1908 in Wien,stellten Fotografen Hunderte vonErinnerungsbildern her. Josef Löwy,einer der gewichtigsten seiner Zunftin der Monarchie und darüber hin-aus, engagierter Hersteller fotome-chanischer Drucke, veröffentlichteseine Aufnahmen unter anderemin Form eines Mappenwerks beimVerleger Würthle und Sohn. Beson-ders begehrt waren die Bilder derFestzugsgruppen, die historischeEreignisse aus der Geschichte derHabsburgermonarchie zeigten. Fürdiese Ausstellung von besonderemInteresse sind vor allem diejenigenPublikationen, die sich den Nationa-litätengruppen im Festzug widmen,da hier wiederum auf die Typisierungmithilfe Tracht gesetzt wird.
Über die Auflagenhöhen von Foto-grafien im 19. Jahrhundert liegenwenig aussagekräftige Zahlen vor,angesichts der zahlreich erhalte-nen Bilder aus dem 19. Jahrhundertjedoch lässt sich eine» Bilderflut<<erahnen. Einer von Löwys Kon-kurrenten, der ebenfalls in Wien
ansässige Buchhändler und Fotover-
leger R. Lechner( Wilhelm Müller),dominierte klar vor allen anderenBildproduzenten die visuelle Erin-nerungskultur des Festzugs, indemer seine Fotografien in vielerleiPublikationsformen auf den Marktwarf. Die Breite des fotografischenAngebots vermag die Bedeutung desKaiserhuldigungsfestzugs als popu-läres Ereignis anzudeuten. Eines dervon Lechner aus Anlass des Festzugsherausgegebenen Fotobücher listetdie Preise seiner Produkte. EineFotografie im Format 18 x 24 cm,aufgenommen von der Hofloge amFestplatz aus( beim heutigen Burg-tor gelegen) von diesem Standortexistieren circa 300 Bilder-, kostete3 Kronen. Dieses Publikationsaus-maß und Spiel mit Zahlen soll denenormen Willen zum fotografischenPublizieren exemplifizieren; dennochmuss klar gesagt werden, dass sichdieses Angebot nur an die finanz-kräftigen Schichten richtete.
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