BILDKAPITEL ZEIGEN
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Konträr zur verbreiteten Annahme, dass Fo-tografien eine jenseits des materiellen Trägersexistierende Realität abbilden, kann man diesenSachverhalt auch einmal umgekehrt denken: Essind erst Fotografien, die etwas sichtbar machen.Im Fall der» Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen«<- Fotografie wählt derFotograf nicht bloß ein Motiv eines realen Ge-schehens, sondern inszeniert bewusst die Dar-gestellten im Atelier. Durch die Veröffentlichungder Bilder gewinnen die dargestellten Phänomeneerst über den winzigen Moment hinaus, in demsie konkret vor der Kamera existiert haben, anBedeutung.
Wie dies in allen Details und in der gesamtenBreite funktionierte, ist nur zum Teil untersucht.Zum einen avancierten die Bilder zum Gegenstandöffentlichkeitswirksamer Vorträge und Buch-
publikationen. Zum anderen bezeugen Spurenauf den Fotografien, dass die Bilder verwendetwurden, um etwas zuvor Unbekanntes odernicht Gewusstes vorzuführen. Zentral hierfürsind Beschriftungen auf oder neben den Bildern,die zugleich etwas festhalten wie erklären. Eineandere Weise des Zeigens mit den Bildern liegtin ihrer Montage: Das Nebeneinander- Stellen aufBildtafeln dient dem Vergleich oder illustriert mitSzenen des Alltags wissenschaftliche Erzählungenüber spezifische Kulturen. Dies macht sie zu De-monstrationsobjekten.
Das in diesem Bildkapitel gezeigte großeKonvolut an>> Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen«<- Fotografien, überdessen Herkunft und Geschichte wir nurIndizien und kaum Quellen besitzen, dientevermutlich als Lehr- und Studiensammlung.
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