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Gestellt : Fotografie als Werkzeug in der Habsburgermonarchie ; [dieser Katalog erscheint als Nachschrift zur Ausstellung ..., die vom 29. April bis 30. November 2014 im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien gezeigt wurde]
Entstehung
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BILDKAPITEL- HANTIEREN

Hantieren

Wie der konkrete Umgang der Volkskundler mitden hier gezeigten Bildern aussah- wie sie alsomit den materiellen Objekten hantierten-, istheute nur ansatzweise untersucht. Hier steht dieheutige Forschung vor allem vor dem Problem,dass textliche Quellen dazu meistens fehlen. Al-lerdings lassen sich anhand konkreter materiellerSpuren zumindest einige Praktiken erschließen,die auf den Umgang mit den Bildern hinweisen.So kursierten Anleitungen mit konkreten Leitlini-en, wie» Typen«-Bilder herzustellen seien. Einesolche formulierte im Jahr 1896 Michael Haber-landt, einer der Mitbegründer des Österreichi-schen Museums für Volkskunde. Diese Anleitungstellt gleichzeitig so etwas wie den Startschussfür die Fotosammlung des Museums dar. DieseBilder wurden zum Vergleichen individuellerPersonen mit dem Zweck,» Typen<< zu bilden,angefertigt. Darauf deuten die mit Reißnägelnvermutlich an eine Wand gehefteten Fotogra-fien hin, die in diesem Bildkapitel zu sehen sind.Der Mediziner und Anthropologe Gustav Fritschtrifft eine Unterscheidung zwischen physio-gnomischen und ethnografischen Aufnahmen:

Haberlandt lehnte sich mit seiner Anleitung zumFotografieren von» Typen« für die Volkskunde,so wie es aussieht, daran an. Demnach sollteder>> Typus<< als Verallgemeinerung isoliert vomjeweiligen Umfeld gezeigt werden, wohinge-gen die ethnografische Aufnahme das konkreteUmfeld der dargestellten Personen zeigenkonnte. Die Isolierung des>> Typus<< ging dannin Publikationen mithilfe Retuschen vonstat-ten, bei denen der Bildbearbeiter das jeweiligeUmfeld mit weißer Farbe abdeckte. Die Bilderdienten aber auch als Studienobjekte, auf denendie Forscher bestimmte Überlegungen- in denhier gezeigten Fällen Zuschreibungen der Dar-gestellten festhielten. Offen bleibt hingegen,woher die Informationen zu den einzelnen Zu-schreibungen stammten. Vielfach bekundendie Bilder auch, wie die Forschenden sich inihren Definitionen widersprachen. Mancheältere Zuschreibungen wurden mitunter ausge-strichen und durch neue ersetzt. Zudem weißman heute, dass ein reger Austausch der Bilderzwischen verschiedenen Institutionen stattfand.

124 Ferdinand Mangsch(?)

>> Eine lebensgrosse Figur, darstellend eine jungeFrau aus Banffy Hunyad( Magyartypus), erzeugt fürdas ungarische Nationalmuseum in Budapest vonFerdinand Mangsch, Spezialist in Budapest. Der Kopf istnach anthropolog[ ischen]. Massen v[ on]. Dr. WillibaldSeemayer modelliert«<, Budapest um 1905

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