BILDKAPITEL- PUBLIKATIONSFORMEN( I)
Publikationsformen( 1)
Kommerzielle Verkaufsabsichten und vielschich-tige Sammlerinteressen ließen seit den 1860er-Jahren die Produktion fotografischer Aufnahmen,darunter auch die» Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen«<, enorm anschwel-len. Es entwickelte sich ein gut ausbalanciertes,großflächiges>> Betriebssystem<< von Produzenten,Distributoren und Konsumenten. Neben diesermarktwirtschaftlichen Bilderordnung begannenauch Amateure in zunehmend steigendem Ausmaßmit der Kamera ihre Umwelt zu erforschen.
Berufsfotografen spezialisierten sich unteranderem auf Sammelbilder, wobei es sich zumeistum standardisierte Formate, nämlich die Carte decabinet( ca. 14,5 x 10 cm) und die kleinere Cartede visite( ca. 9 × 5,5 cm), handelte. Den Vertriebbesorgten sie entweder selbst oder diesererfolgte durch Fotoverlage, die systematisch mitKunst-, Buch- und Fotohändlern kooperierten.Die Lichtbilder der Amateure fanden über infor-melle Kanäle wie private und vereinsmäßig orga-nisierte Diabildabende sowie wissenschaftlicheForen ihr Publikum. Lithografen produziertendie Untersatzkartons, auf die üblicherweise dieFotografien zur leichteren Handhabung und zu
deren Schutz geklebt wurden, und Buchbinderfertigten zur Aufbewahrung und Organisation derBilder aufwendig gestaltete Sammelalben an.
Die Produktion wandte sich an eine elitäreKäuferschicht: Touristen kauften die Fotogra-fien als Souvenirs, um sich noch Jahre danachan die Orte ihrer Reise zu erinnern. Rund umdie» Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen« entfaltete sich eine spezi-fische Sammlerkultur, überdies legte man sieauch als Postkarten zum Verschicken auf. Pri-vatpersonen mit volkskundlichem Interesselegten repräsentative Alben an, in denen siedie Bilder nach ganz persönlichen Vorliebenund jeweiligen Interessenlagen gruppierten.
Und schließlich waren es Institutionen, dieFotografien unter wissenschaftlichen Gesichts-punkten zusammentrugen. Das Österreichi-sche Museum für Volkskunde fungierte in demNetzwerk von Forschern aus der Habsburger-monarchie als ein größerer Knotenpunkt, andem Materialien unterschiedlichster Proveni-enz und mit differenten Forschungsinteressengesammelt und zugänglich gemacht wurden.
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