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>> EINE REICHE AUSWAHL DER HERRLICHSTEN VOLKSKOSTÜME UND DER SCHÖNSTEN MENSCHENTYPEN<<
Widerständigkeit gegen den Kaiser wurde diese>> Jägerkleidung<< als Steireranzug zeitweilig denBeamten verboten. 10 Johann ließ zwischen circa1802 und 1843 die Kleidung der Landbevölkerungdurch Kammermaler aufzeichnen. Diese erstelltenin etwa 1.500 Blättern keine Systematik, sondern>> eine sehr individuelle Sammlung<< von Erinne-rungen, die oft idealtypischen Charakter hatten¹¹und keine>> typischen<< Gemeinsamkeiten einerLandestracht im heutigen Verständnis zeigen.12
Das Interesse an der ethnografischen Be-schreibung der Länder und Menschenführte zu einer Fülle populärer Produktio-nen. Zu den ersten gehörten die>> WienerKaufrufe<<, die der Verleger Tranquillo Mollo1775 herausbrachte.13 Sie bedienten das ro-mantische Interesse am» gemeinen Volk«<, siefixierten und stilisierten diese» Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen«. Inder Folge erschienen Trachtenblätter aus Ös-terreich 1804 bei Moleville in London, 1824 beiMollo sowie 1825 bei Trentsensky in Wien.14Nach dem Revolutionsjahr 1848 äußerten sichdie Separationsbestrebungen auch in Brauch,Tracht und Lied. Kaiserin Elisabeth ließ daherunter anderem das Kleid für ihre Krönung zurungarischen Königin, 1867, mit der Schnürungder Magnatentracht versehen. Elisabeth warschon in Bayern mit dem Interesse des Hofesan» bayerischer Nationaltracht<< aufgewachsen.Das Hochzeitsgeschenk des Wiener VerlegersC. A. Spina war daher die ideale Kompositi-on für den dynastischen Anlass- ein Albummit 23>> Volkstrachten<< des>> Hoftheater-Costumeurs<< Albert Decker( 1817-1871) undVolksliedern.15 Es stellte, retardierend undtypisierend, jene Volksgruppen dar, die demBedürfnis nach» nationaler Wiedergeburt<< ineinem romantischen Heimatgefühl der Nationenunter dem Haus Habsburg entsprachen.16
Die Differenzen der Einheit in der VielfaltDer Historiker Eric J. Hobsbawm betont, dass derfrühe Nationalismus im 19. Jahrhundert in ganzEuropa vorerst einigende Tendenzen hatte und
erst sukzessive zu separatistischen Bewegungenführte.17 So wurde ab 1886 Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, kurzKronprinzenwerk genannt, herausgegeben, das alsrepräsentatives» patriotisches Volksbuch die So-lidarität unter den Völkern der Monarchie stärkenund gegenseitiges Verständnis wecken« sollte.18Die Bände sind äußerst unterschiedlich, auch inder Darstellung der Lebensweisen, Bräuche wieder Kleidung der Menschen. Als Beispiel sei derBand über Galizien gewählt. In diesem beschrei-ben zehn verschiedene Autoren>> Volkskunde<und>> Volksleben<< nach den Volksgruppen inDifferenzierung nach Lebensraum und Schulbil-dung:>> Es gibt Gegenden, wo sich das Volk heuteschon seiner Nationaltracht nur bei außergewöhn-lichen Festanlässen bedient,[...] Vor nicht langerZeit stellten auch die kleinstädtischen TrachtenGaliziens ein sehr interessantes Objekt für ethno-graphische Studien dar.<<
Auf den ersten Blick erzeugen die Trachtendar-stellungen in den Bildern, etwa von Hugo Charle-mont, den Eindruck einer harmonischen Idylle.Diese verklärende Darstellung des Vielvölkerstaa-tes war auch Teil eines politischen Konzeptes undDiskurses. Das Kronprinzenwerk 20 ist daher eineideale Programmschrift gegen die vorhandenensozialen und nationalen Konflikte. Während dieBilder die Utopie suggerieren, weisen die Textesehr wohl auf gegenwärtige Ästhetik, Industrieund Technik hin. Gleichzeitig werten die Texte dieHausindustrie jener Regionen auf, die nicht anVerkehrsnetze und Industrie angebunden werdenkonnten.
In den Bänden wird neben berühmten Geis-tesgrößen zum überwiegenden Teil die ländlicheBevölkerung nach Regionen, Sprachgruppenund Religionen dargestellt. In der Umkehrungheißt das, dass sich die gebildete Gesellschaftfür international- städtisch einschätzte. DieBildersammlungen sind die Repräsentation derDiversität, Offenheit und Größe des Reiches inseiner Vielfalt der Völker und Kulturen. Doch esoffenbart sich keine Gesellschaft der Gleichen.Die divergenten Darstellungen auch der Klei-
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