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DER WILLE ZUM UNTERSCHIED
Der Wille zum Unterschied
Die erstaunliche Karriere des Begriffs Ethnizität
- Johannes Feichtinger Johann Heiss-
Auf Schritt und Tritt werden wir von unserer Sprache genarrt: Begriffewerden für bestimmte Zwecke erzeugt, zum Beispiel, um Unter-schiede zu verdeutlichen. Die durch diese Begriffe veranschaulichtenUnterschiede werden für wahr genommen, und mit dieser Wahr-nehmung können wir uns eine trügerische Wirklichkeit schaffen. EinBegriff dieser Art( unter so manchen anderen) ist Ethnizität. Derdeutsche Soziologe Max Weber hatte die Karriere dieses Begriffs zuBeginn des 20. Jahrhunderts entscheidend gefördert. Am Ende desJahrhunderts sollte dieses Wort vor allem im Zerfallsprozess Jugo-slawiens wieder eine Hochkonjunktur erleben.
Was wir zeigen wollen, ist die Bedeutung, die dem Ethnizitäts-begriff verliehen wurde, weil er sich wie wenig andere dafür eignete,Unterschiede zwischen Gruppen vermeintlich deutlich erkennbar zumachen, sie als wahr anzunehmen, zu verdinglichen und als Vor-aussetzung für Identitätspolitik einzusetzen. Die Karriere des Eth-nizitätsbegriffs ist ein Beispiel dafür, wie Begriffe unseren Blick aufVergangenheit und Gegenwart nicht nur lenkten, sondern wie neueWirklichkeiten durch Sprache zweckgerichtet erzeugt werden.