Druckschrift 
Gestellt : Fotografie als Werkzeug in der Habsburgermonarchie ; [dieser Katalog erscheint als Nachschrift zur Ausstellung ..., die vom 29. April bis 30. November 2014 im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien gezeigt wurde]
Entstehung
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MEDIENÖKONOMISCHE BETRACHTUNGEN ZUR FOTOGRAFIE IN 19. JAHRHUNDERT

von Waren), der Nettohandel( rabattierte Barzah-lung) und der Konditions- oder Bedingtverkehr( Kommissionslieferung/ Lieferung à condition mitRückgaberecht). Besonders der Bedingtverkehrnahm den Sortimentern viel Risiko ab und wälztees auf die Verleger über. 30

Natürlich existieren noch andere Intermediäre.Mit der Implementierung fotografischer Bilder inden unterschiedlichsten soziokulturellen Feldernbreitete sich das Bedürfnis nach Vermittlernweiter aus. Man denke an die Bildagentur: Mit demAufstieg des Fotoreporters zu einem eigenständi-gen Erwerbszweig, auch befördert durch dieMöglichkeit, Bilder im Buchdruck( Autotypie) zuvervielfältigen, keimte der Wunsch nach einerInstanz, die sich zwischen Bildberichter undRedaktion schiebt. Einige wenige Agenturennahmen in den 1910er- Jahren ihren Betrieb auf,die Mehrzahl mit dem Illustriertenboom in den1920er-/ 30er- Jahren.

Zum Schluss seien noch jene Distributorenwenigstens gestreift, die Versammlungs- oderVeranstaltungsöffentlichkeiten konstituierten,indem sie die Inhalte von fotografischen Bildernöffentlich zu sehen gaben, ohne die Artefakteselbst zu verkaufen. Eine solche Vertriebsein-richtung und zugleich Ort des Konsums stellte- neben Museen sowie Gewerbe- und Kunstaus-stellungen- das Kaiserpanorama und derenVorläufer vor. Diese öffentlich zugänglichenMedieninstitutionen hielten gegen Eintritt Schau-stellungen stereoskopischer Aufnahmen ab. In denausgehenden 1850er- Jahren finden sich ersteSpuren dieser bis nach 1900 oftmals nochambulanten Attraktionen, mit denen ihre Betrei-ber quer durch die Monarchie reisten. Ab den1880er-/ 90er- Jahren etablierte allen voran derdeutsche Unternehmer August Fuhrmann in dengrößeren Städten fixe Filialen, die sich gelegent-lich bis in die 1950er- Jahre behaupten konnten,bevor sie endgültig der Konkurrenz des Kinoserlagen. Ein fixer Programmpunkt darin warenfremde Länder und exotische Glossar ::: zum Glossareintrag  exotische Völker. 31

Ein zweites Forum öffentlicher, kollektiverDistribution wie Rezeption von Fotografien

bildeten die Lichtbildervorträge. Der Projektions-apparat, Zeitgenossen nannten ihn Skioptikon,gewann in Österreich gemessen an England,Frankreich, den USA oder Deutschland erst relativspät an Akzeptanz. In den 1880er- Jahren begann,noch etwas zögerlich, das neue mediale Dispositivsich durchzusetzen. Man erkannte dessen didakti-schen Wert anschauliches Wissen zu transpor-tieren- für die Vermittlungsarbeit in Schulen undder Erwachsenenbildung. 1891 gründete sich inWien der>> Wissenschaftliche Verein> Skioptikon<<<.Eines seiner erklärten Ziele bestand im Anlegeneiner Sammlung von Diapositiven, die Bildungsein-richtungen über einen Leihverkehr zur Verfügunggestellt werden sollten. 32 Die Fotoverlegerreagierten umgehend auf den noch jungen Bedarf,ließen Anschauungsmaterial zu allen nur erdenkli-chen Themen produzieren und warfen es auf denBildermarkt. Die Volksbildungseinrichtung WienerUrania startete um die Jahrhundertwende ihreSkioptikon- Repertoirevorträge, die sich baldgewaltigen Zulaufs erfreuten. Schnell avanciertedas Haus zur gewichtigsten Institution dieser Art inder Monarchie. 1911 beispielsweise verfügte dieUrania bereits über mehr als 500 solcher Vorträge, 33darunter auch eine stattliche Anzahl von volks-kundlichen. Daneben fand das Skioptikon auch imnichtöffentlichen Bereich starke Verwendung,namentlich in den zahllosen Vereinen, egal ob essich um wissenschaftliche, künstlerische odersolche, die allein Geselligkeit pflegten, handelte.

Konsumtion/ Rezeption

Was wäre die Produktion und Distribution vonFotografen ohne deren Konsumtion/ Rezeption( die beiden Begriffe seien hier austauschbarverwendet)? Irgendwer muss ja die Bilder betrach-ten, sie in irgendeiner Weise gebrauchen, über sieurteilen, sich an ihnen erfreuen, Erkenntnis,Wissen und Belehrung daraus ziehen, seinenGeschmack daran schulen, sich seiner selbst( undseiner Familie) vergewissern und sich selbstrespektabel zeigen, mit ihnen prahlen... Obgleichdie Konsumtion konstitutiv für die Produktion istwie umgekehrt, weiß die österreichische Fotoge-