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MEDIENÖKONOMISCHE BETRACHTUNGEN ZUR FOTOGRAFIE IN 19. JAHRHUNDERT
Medienökonomische Betrachtungen
zur Fotografie im 19. Jahrhundert
- Michael Ponstingl-
Im Kern geht es immer um die Prozesse des Bildermachens und Bil-derbetrachtens und deren wechselvolle Verhältnisse.¹ Sie bildendas Rückgrat einer Rekonstruktion fotografischer Kommunikation.Gleichgültig, ob man diese Zusammenhänge simpel oder verwi-ckelt, ob linear, kontradiktorisch, komplementär, dialektisch oderzirkulär denkt: In materialgesättigten historischen Analysen faltensich Akteure, Techniken, Institutionen und Organisationen, sozialePraktiken und Codes unübersichtlich aus. Freilich kann ich solcheUntersuchungen in meiner Tour d'Horizon nicht aufbieten. Mein Textstellt die wesentlichen Bausteine fotografischer Kommunikation vor:die Produktion, Distribution und deren gesetzliche Regulierungensowie die Konsumtion.² Die Produktion unterteile ich in drei Schritte( Produktion 1-3), womit ich ein angemessenes Erklärungsmodellerhalte, um technische Rationalisierungen, die spezifischen Kosten-strukturen fotografischer Produktion und die fortschreitende Ar-beitsteiligkeit gebührend beschreiben zu können. All diese sozialenProzesse stehen in einem strukturierten Zusammenhang, genauer, sievollziehen sich im Kontext einer von bürgerlichen Klassenfraktionendominierten kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.Auch wenn vorliegender Text der- nach guter soziologischer Maniergrundsätzlich unterstellten- Vermachtetheit aller Beziehungenim fotografischen Feld nur gelegentlich expressis verbis Ausdruckverleiht, sollte das wider alle Harmonisierungsphantasien als Hinter-grundfolie präsent gehalten werden. Eine Medienökonomie, welche